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Kein Spielfeld für Rechts

Auf »Fußball-gegen-Nazis.de« werden lokales Engagement hervorgehoben und rechtsextreme Codes entschlüsselt

  • Von Stephan Fischer
  • Lesedauer: 3 Min.
Rechtsextremismus und Antisemitismus sind im Fußball allerorts geächtet - trotzdem stellen sie ein immer wieder auftretendes Problem dar. Das Internet-Portal »Fussball-gegen-Nazis.de« der Amadeu Antonio Stiftung dokumentiert Vorfälle aus allen Ligen und möchte lokale Initiativen, die gegen Diskriminierung arbeiten, fördern und stützen.

Joachim Wolf von der Amadeu Antonio Stiftung hat viel zu tun. In jeder Woche erstellt er eine Presse- und Blogschau, veröffentlicht Beiträge und Texte auf dem Internet-Portal »Fussball-gegen-Nazis.de«. Manches schreibt er selbst, manches kommt von außerhalb der Redaktion. Themen gibt es immer: Beispiele von Diskriminierung und Versuchen von Nazis, den Fußball zu unterwandern - gleichzeitig gibt es jede Woche ermutigende Beispiele für das Engagement dagegen.

»Wir versuchen alle Vorfälle von gruppenbezogener Diskriminierung aufzuzeigen, nicht nur rechtsextreme oder antisemitische Vorfälle « erläutert Joachim Wolf gegenüber »nd«. Rechtsextremismus und Antisemitismus werden in den Stadien und auf den Sportplätzen oft geächtet. Wenn es sie gibt stehen sie schnell im Fokus der Öffentlichkeit; Vereine, Verbände oder Zuschauer reagieren oft schnell und eindeutig. Sexismus, Antiziganismus und Homophobie dagegen werden auf den Tribünen viel offener ausgelebt, gehören teilweise zur Stadionfolklore.

Nazis haben sich darauf eingestellt: Rechtsextreme Botschaften werden oft codiert im Stadion verbreitet. »Solidarität mit dem NWDO« war im letzten Jahr auf einem Transparent im Dortmunder Stadion zu lesen. Wie viele der achtzigtausend Zuschauer wussten, dass »NWDO« für »Nationaler Widerstand Dortmund« steht? Die Botschaft war trotzdem zu sehen. Gleichzeitig können Nazis an allgemeine Ressentiments der Bevölkerung anknüpfen, die in Stadien offener als im Alltag ausgelebt und weniger sanktioniert werden: Der Ruf »Zick, zack - Zigeunerpack!« oder die Beschimpfung »Schwuchtel« für Gegner, Gästefans oder Schiedsrichter geht vielen Zuschauern schnell und unreflektiert über die Lippen. Rechtsextreme Hooligans wie die »Borussenfront« in Dortmund, die von vielen - auch Experten - als Phänomen des letzten Jahrtausends gesehen wurden, treten heute wieder offen in Erscheinung, gleichzeitig versuchen Nazis Elemente der größten Fußball-Jugendkultur unserer Zeit zu adaptieren: Ultra.

Ultragruppen zu unterwandern oder gleich selbst zu gründen - in Aachen und Braunschweig mündete dies vergangene Saison teilweise in offener Gewalt innerhalb der Fanszenen sowie Auflösung und Ausgrenzung vermeintlich »linker Ultragruppen«. Selbstbezeichnung und Auftritt der »NS-Boys« einer schon lange existierenden Chemnitzer Ultragruppe, »NS« steht für »New Society« - »Neue Gesellschaft«, spielen nicht nur auf die NS-Zeit an.

Unterwanderung des Fußballs durch Nazis und Diskriminierung - dagegen arbeiten viele Initiativen und engagieren sich viele Menschen. Auch das will »Fussball-gegen-Nazis.de« zeigen und unterstützen. Joachim Wolf: »Die Amadeu-Antonio-Stiftung möchte ja gerade lokales Engagement fördern und stützen. Wir können zum Beispiel finanzielle Unterstützung leisten. Wir können vernetzen. Wir können aber vor allem Öffentlichkeit schaffen.«

Das habe positive Folgen, so Joachim Wolf weiter: »Die Gruppen bekommen ein Echo auf ihre Arbeit, eine Reaktion. Das sorgt auch für Zulauf. Zweitens kann Öffentlichkeit auch Schutz bedeuten. Und letztendlich bringt sie ja auch Anerkennung der Arbeit, beispielsweise durch Presseanfragen oder Demokratiepreise.«

Den Fußball als Spielfeld für Nazis ausleuchten, gleichzeitig diejenigen stärken, die dazwischen grätschen wollen - »Fussball-gegen-Nazis.de« will ein Portal für beides sein. Dafür bleibt nicht nur für Joachim Wolf weiter viel zu tun, Spieltag für Spieltag, Woche für Woche.

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