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Der prophezeite Tod

Slatan Dudow im Zeughauskino

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Im Zorn hatte er sein tragisches Ende geweissagt. Da war er gerade mal 60 Jahre alt. Es ist gut, dass Berlin den vor 50 Jahren, am 12. Juli 1963, verstorbenen DEFA-Regisseur Slatan Dudow nicht vergessen hat, im Zeughauskino jetzt seine Filme gezeigt werden.

1922 sucht der gebürtige Bulgare und Eisenbahnersohn sein Glück im kunstbewegten Berlin. Er probiert es an einer Schauspielschule, studiert Theaterwissenschaft, hospitiert beim Mega-Film »Metropolis« von Fritz Lang, kommt zur linken Piscator-Bühne und macht Agit-Prop-Theater. Nach der Begegnung mit Eisenstein in Moskau zieht es ihn zum Film. Mit kleiner Handkamera dokumentiert er alltägliches Proletarierschicksal: eine Zwangsräumung. Der Titel: »Wie wohnt der Berliner Arbeiter?« Nach der Begegnung mit Brecht inszeniert er mit ihm und unter Mitwirkung von 4000 Arbeitersportlern »Kuhle Wampe oder Wem gehört die Welt?«, den Klassiker des proletarischen Spielfilms. Zweimal verboten, 1932 zensiert aufgeführt, verbannen ihn die Nazis 1933 zusammen mit »Panzerkreuzer Potemkin« aus den Kinos.

Es folgt Emigration in Frankreich und der Schweiz. 1948 kehrt Dudow nach Berlin zurück, wo sein Drama »Der Feigling« am Deutschen Theater viele Aufführungen erlebte. Doch alsbald drängt es ihn wieder zum Spielfilm. In Babelsberg wird er neben Kurt Maetzig zur unumstrittenen politischen und künstlerischen Autorität. Sein Film »Unser täglich Brot« erzählt von einer Kleinbürgerfamilie im Umbruch der unmittelbaren Nachkriegszeit; eindrucksvoll das differenzierte Bild ihres Patriarchen, Ex-Prokurist Weber, unvergesslich dargestellt von Paul Bildt. Mit dem Porträt eines kommunistischen Hamburger Hafenarbeiters, der nach langer KZ-Haft, den Tod vor Augen, die illegale Arbeit doch wieder aufnimmt, erringt Dudow auch internationale Aufmerksamkeit; Wilhelm Koch-Hooge erhält den Darstellerpreis in Locarno 1955 für die Hauptrolle in »Stärker als die Nacht«. Auch Dudows folgende Gegenwartsfilme werden große Kinoereignisse: »Frauenschicksale«, »Verwirrung der Liebe« und »Der Hauptmann von Köln« mit Rolf Ludwig, Erwin Geschonneck und Christel Bodenstein in ihrer ersten Hauptrolle.

Dudow ist ein Perfektionist und »Filmaholic«, der sich nicht mit der erstbesten Lösung und Aufnahme zufrieden gibt. Seine Arbeitsweise, die jeden Zeit- und Kostenrahmen sprengt, führt im Studio zu heftigen Debatten. Dann gerät auch noch ein Privileg ins Visier. Nur Dudow verfügt rund um die Uhr über einen personengebundenen Pkw samt Chauffeur. Die Belegschaft fordert, er soll wenigstens den Fahrer selbst bezahlen. Dudow: Wenn ihm auch der Parteisekretär nicht beisteht, so sei er als Endfünziger noch zur Fahrschule gezwungen und werde sich gewiss eines Tages, abgearbeitet und in Gedanken, totfahren. Und so geschah es dann tatsächlich.

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