Millionenmarsch für Mursis Rückkehr

Anhänger des gestürzten ägyptischen Präsidenten machen für diesen Freitag mobil

Die Anhänger des gestürzten ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi haben für heute zu einer Großdemonstration in Kairo aufgerufen.

Kairo (dpa/AFP/nd). Mit dem Marsch an diesem Freitag solle der Forderung Nachdruck verliehen werden, den vor einer Woche vom Militär entmachteten Mursi wieder als Präsident einzusetzen, berichtete die Zeitung »Al-Ahram« am Donnerstag. Zu der Kundgebung unter dem Motto »Millionen-Menschen-Marsch« rief eine Allianz auf, die von der Muslimbruderschaft dominiert wird, aus der Mursi stammt.

Es ist noch immer unklar, wo sich der Ex-Präsident aufhält. Seit seinem Sturz am Mittwoch vor einer Woche wird er vom Militär an einem unbekannten Ort und ohne Anklage festgehalten. Ein Sprecher des ägyptischen Außenministeriums erklärte am Mittwoch, der frühere Staatschef befinde sich »an einem sicheren Ort« und werde »in würdiger Weise« behandelt. »Zugleich ist es für seine eigene Sicherheit und die Sicherheit des Landes besser, ihn festzuhalten«, fügte er hinzu.

Die ägyptische Staatsanwaltschaft erließ am Mittwoch Haftbefehle gegen den Führer der Muslimbruderschaft, Mohammed Badia, und neun weitere Spitzenfunktionäre. Sie werden der Aufhetzung zur Gewalt im Zusammenhang mit den jüngsten Zusammenstößen mit mehr als 50 Toten beschuldigt. Kurz zuvor hatte die islamistische Organisation ein Angebot ausgeschlagen, sich an einer ägyptischen Übergangsregierung zu beteiligen.

Die USA werden indes, wie ursprünglich geplant, vier Kampfflugzeuge vom Typ F-16 an Ägypten liefern. Dies berichtete die BBC am Donnerstag unter Berufung auf US-Offizielle. Die USA unterstützen das ägyptische Militär mit Zahlungen von jährlich 1,3 Milliarden Dollar. Sollte der Umsturz in Kairo als Putsch eingestuft werden, müsste Washington von der Gesetzeslage her die Militärhilfe an Ägypten einstellen.

Die Afrikanische Union (AU) will Ägypten erst wieder aufnehmen, wenn es in dem Land demokratische Wahlen gegeben hat. Dies kündigte die AU-Kommissionsvorsitzende Nkosazana Dlamini-Zuma am Donnerstag nach einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin an. »Wenn in Ägypten eine gewählte Regierung an der Macht ist, dann wird auch die AU ihre Türen wieder öffnen.« Die AU hatte Ägypten vor einer Woche wegen der Absetzung Mursis ausgeschlossen.

Merkel sagte, Ägypten müsse jetzt »möglichst schnell in die Spur eines demokratischen Übergangsprozesses« kommen. »Es ist wichtig, das alle wichtigen politischen Akteure in diesen Prozess einbezogen werden.« Die Kanzlerin bezog sich damit auch auf die Muslimbruderschaft. Zugleich versprach sie Dlamini-Zuma, Deutschland werde der Afrikanischen Union ein »verlässlicher Partner« sein.

Fünf Tage nach Entführung eines koptischen Christen auf der ägyptischen Sinai-Halbinsel ist dessen geköpfte Leiche gefunden worden. Der Tote sei an Händen und Füßen gefesselt gewesen, so ein Vertreter der Sicherheitskräfte am Donnerstag. »Extremistische Gruppen« hätten den Kopten am Samstag verschleppt. Seit dem Sturz Mursis haben die Angriffe auf dem Sinai zugenommen.

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