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Protest gegen vermeintlichen Rassismus bei der taz

Reingucken, rausgucken: Initative »taz«-Watching protestiert gegen die Zeitung

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Eine »Johannisbeer-Mascarpone-Creme« stand am vergangenen Donnerstag als Dessert auf der Speisekarte des Kreuzberger »taz«-Cafés, bei dem es sich um eine Art öffentlich zugängliche Kantine der »taz«-Redaktion handelt. Doch vielleicht ist dem einen oder anderen bereits nach der Vorspeise der Appetit vergangen. Denn etwa acht oder neun Menschen standen vor dem Lokal, um einer skurrilen Freizeitbeschäftigung nachzugehen, dem »taz- Watching«. Per gemeinschaftlich praktiziertem, offensivem Starren durch die Fensterfront des Cafés wollte man auf den vermeintlichen Rassismus der »taz« aufmerksam machen - eine ausgefuchste Protestmethode.

Die taz über die Rassismusvorwürfe in ihrem Hausblog

Dem »nd« sagte der »taz«-Redakteur Ulrich Gutmair: »Das war ein schönes Bild. Die standen da in einer Reihe und guckten durch die Fenster rein, und die anderen, die im Café saßen und die wahrscheinlich zum größten Teil gar keine ›taz‹-Kollegen waren, guckten halt raus, während sie gegessen haben. Die guckten sich gegenseitig an. Wirklich, die einen guckten raus, die anderen rein. Ich habe die von außen Starrenden angesprochen und gefragt: ›Was seht ihr da?‹ Da haben die gesagt: ›Wir sehen das Gleiche, was du siehst.‹ ›Also, warum guckt ihr denn, was seht ihr?‹, wollte ich wissen. ›Na, essende Menschen‹, sagten die dann. Am Rand hatten sich auch Leute dazugesellt, die gar nicht verstanden haben, worum es da ging. Ich fand, das ist eine schwache Aktionsform. Man muss mit den Leuten ja ins Gespräch kommen, sonst hat es ja keinen Sinn.«

In den Verlautbarungen der »taz«-Watcher geht es nicht ohne Selbstgerechtigkeit, Gestammel und eine dicke Extraportion sinnloser Ausrufungszeichen zur Sache: »Wir bleiben friedlich und bedeuten damit u. a. der taz, dass sie sich bewegen muss!!!«

Alles fing einst damit an, dass der »taz«-Redakteur Deniz Yücel am 20. April dieses Jahres eine Veranstaltung moderierte, bei der es um Sprache, Rassismus und Zensur ging. Weil Yücel es seinerzeit wagte, Textstellen aus Werken des Bürgerrechtlers Martin Luther King und des Philosophen Theodor W. Adorno zu zitieren, in denen das Wort »Neger« auftaucht, lief die Podiumsdiskussion aus dem Ruder. Eine Hand voll Zuhörer unterbrach fortgesetzt den Moderator und brüllte immer wieder dazwischen: »Sag‘ das Wort nicht! Sag‘ das Wort nicht.« Yücel wiederum, der sich das öffentliche Zitieren nicht verbieten lassen wollte, reagierte auf die unablässigen Zwischenrufe mit Verärgerung und fing schließlich an zurückzufeuern, indem er einigen der Empörten hinterherrief, sie seien »Kulturwissenschafts-Spackos« und sollten »bügeln gehen«. In der Folge entspann sich eine Debatte in der »taz« über die Legitimität der Verwendung des Wortes »Neger« bzw. des »N-Wortes«.

Die Initiative »taz Watch«, der ein gewisses Gespür für Komik vielleicht nicht ganz abzusprechen sein mag, hat sich als Zielscheibe ausgerechnet die Zeitung der Grünen ausgesucht, die sie für ein niederträchtiges Rassistenblatt zu halten scheint. Anscheinend gibt es in Berlin zurzeit nicht genug Sarrazins und Buschkowskys.

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