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Nach der Flut: Papierfabrik gibt Standort auf

Sächsischer Traditionsbetrieb wurde schon 2002 überschwemmt - jetzt steht die Schließung an

Gleich zweimal stand das traditionsreiche Werk im neuen Jahrtausend schon unter Wasser - nun soll bei der Papierfabrik im sächsischen Golzern Schluss sein. Zwei Millionenschäden in elf Jahren sind dem Chef zu viel.

Grimma (dpa/nd). Nach der zweiten Überflutung binnen elf Jahren gibt das erste Unternehmen an der Mulde seinen Standort auf. Die Papierfabrik Golzern östlich von Grimma schließt angesichts des erneuten Millionenschadens. Nach vierwöchiger Bedenkzeit habe er sich entschlossen, die Produktion auslaufen zu lassen, sagte Geschäftsführer Stephan Schröter der dpa. »Wir müssen damit rechnen, dass wir immer wieder überflutet werden.«

Ersatzfläche angeboten

Den 65 Mitarbeitern der traditionsreichen Papierfabrik werde er kündigen. Wegen langer Kündigungsfristen blieben sie zum Teil jedoch noch bis Januar, um aufzuräumen und Maschinen zu reparieren, sagt Schröter. Wie es weitergehen soll, kann er noch nicht genau sagen. Ab Ende August sollen an einigen reparierten Maschinen die Restbestände abgearbeitet werden. In den nächsten zwei bis drei Monaten will Schröter zudem entscheiden, ob an einem anderen Standort ein Neuanfang möglich ist. Derzeit liefen die Verhandlungen.

Die Stadt Grimma habe ein autobahnnahes, hochwassersicheres Grundstück im Gewerbegebiet Mutzschen angeboten, sagt Grimmas Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos). »Wir kämpfen um eine Lösung und ich bin nach den ersten Verhandlungen schon optimistischer.« Rund um seine Stadt ist Berger kein weiteres Unternehmen bekannt, das nach der Flut den Standort aufgibt. »Das ist in diesen Dimensionen sicher auch sachsenweit einmalig.«

Tatsächlich ist auch dem sächsischen Wirtschaftsministerium bisher kein weiterer Fall bekannt. Mit Sicherheit könne man jedoch nicht sagen, ob flutgeschädigte Unternehmen über einen solchen Schritt nachdenken, sagte eine Sprecherin.

Die entstandenen Schäden an der Papierfabrik Golzern schätzt Geschäftsführer Stephan Schröter auf einen Wert um zehn Millionen Euro. Das sei noch ein etwas größerer Schaden als beim August-Hochwasser 2002. Bevor die neuerliche Flut die Produktion auf dem traditionsreichen Fabrikgelände zum Erliegen brachte, erwirtschaftete das Unternehmen nach eigenen Angaben etwa acht Millionen Euro Umsatz jährlich.

Produktion seit 1862

Im Auftrag verarbeitete die Firma 25 000 Tonnen Papier und vertrieb eigene Verpackungs- und Krepppapiere. Das jetzt aufgegebene Gelände beherbergte bereits seit 1862 eine Papierfabrik. Wenn ein Neuanfang gewagt wird, dann wohl im Gewerbegebiet Mutzschen. Schröter ist zwar auch Geschäftsführer einer weiteren Papierfabrik, der Grünperga Papier GmbH in Grünhainichen bei Chemnitz. Eine Produktionsverlagerung auf dessen vom Hochwasser verschontes Gelände sei jedoch nicht möglich, weil dort völlig andere Papierprodukte hergestellt würden.

Die Verteilung und Auszahlung der Soforthilfen in Sachsen ist nach Angaben der Dresdner Staatskanzlei nahezu abgeschlossen. Vom Hochwasser betroffene Bürger konnten 1000 Euro beantragen, an kreisfreie Städte und Landkreise wurden dazu 17 Millionen Euro vorab verteilt.

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