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Das letzte Telegramm ist verschickt

Die indische Post verabschiedet sich nach 163 Jahren von den Botschaften

  • Von Hilmar König, Delhi
  • Lesedauer: 2 Min.

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Nach 163 Jahren können in Indien keine Telegramme mehr versendet werden. Am letzten Tag kam es an den Schaltern zu einem großen Ansturm. Es ist das Ende einer Ära, denn Telegramme haben die Geschichte Indiens maßgeblich geprägt.

Die letzte Chance wollten viele Inder nutzen. So hatten die Telegrafisten in Kolkata, wo im November 1850 das Telegrammangebot im Land gestartet worden war, das nicht erwartet. Ungewöhnlich lange Kundenschlangen standen am Sonntag vor den Schaltern des Zentralen Telegrafenbüros, um noch einmal ein Telegramm zu versenden. Um Mitternacht von Sonntag zu Montag wurde landesweit dieser Dienst eingestellt.

Nicht Eilbotschaften über Familienangelegenheiten hatten die Menschen mitzuteilen, Nostalgie trieb sie ins Telegrafenbüro. Sie wollten Zeuge vom Ableben eines postalischen Methusalems sein. So schrieb Aman Malik seiner Großmutter Naseem: »Dies ist die letzte Möglichkeit, dir ein Telegramm zu schicken. Bewahre es als Zeugnis einer vergangenen Ära gut auf.«

Der Superintendent des Büros Subrata Kumar Das sagte vor Journalisten: »Es stimmt, dass diese Form der Kommunikation ihre ökonomische Nützlichkeit eingebüßt hat. Aber das Telegramm hatte über Jahrzehnte zweifellos einen Vorteil: die Geschwindigkeit, mit der es seinen Adressaten erreichte. Freilich war das Ende dieser Ära unvermeidbar.« Und es kam ohnehin nicht abrupt, denn der Service änderte sich mit der Zeit, vom Morseapparat über Fernschreiber, Telefax bis hin zum Computer und Internet. Aber u. a. SMS und E-Mails haben das klassische Telegramm schließlich überflüssig gemacht.

Eingeführt worden war das Angebot, um die »koloniale Kontrolle und Autorität« der britischen Weltmacht über den Subkontinent zu festigen, glaubt zumindest die Zeitung »The Hindu«. Aber der Telegrafendienst erwies sich auch als wertvolles Mittel im Kampf der indischen Nationalisten. Sie vermochten damit, ihre Aktionen besser zu koordinieren. Santosh Gosh hat ein Buch über den »Sepoy-Aufstand in Telegramm-Botschaften« geschrieben. Anhand dieser telegrafisch übermittelten Nachrichten zeichnet er darin den historischen Ablauf des ersten indischen Unabhängigkeitskampfes zwischen 1857 und 1858 nach.

Nostalgie beherrschte die Atmosphäre am Sonntag auch im Telegrafenbüro in Delhi. Gulshan Rai Vij, der 1997 den Dienst quittierte, erinnert sich: Was auch immer die zu sendende Nachricht war, man musste seine Fassung bewahren, so während des Indien-Pakistan-Krieges 1971, als täglich Hunderte schlimme Telegramme über Tote und Verletzte zu kabeln waren. Dies erlaubte keine Emotionen. Krishna Kumar Yadav kann hingegen etwas Erfreuliches berichten. Am 25. Januar 2002 begann er seinen Dienst mittags und saß 19 Stunden am Gerät. Am nächsten Morgen sieben Uhr hatte er 5875 Telegramme verschickt - ein Rekord für die Ewigkeit.

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