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Der Minister und die Stellnetzfrage

In Schleswig-Holstein wird über die neue Küstenfischereiverordnung gestritten

  • Von Dieter Hanisch, Kiel
  • Lesedauer: 3 Min.
Während der letzten 50 Jahre sollen die Schweinswal-Bestände in Nord- und Ostsee stark zurückgegangen sein. Derzeit wird in Schleswig-Holstein über den Anteil der Stellnetzfischerei an der Entwicklung gestritten.

Lassen sich Schweinswalschutz und Küstenfischerei vereinbaren? Schleswig-Holsteins Umwelt- und Fischereiminister Robert Habeck (Grüne) sitzt in dieser Frage zwischen den Stühlen. Seit Monaten ist der Minister persönlich im Gespräch mit Ostseefischern, doch seine geplante Küstenfischereiverordnung stößt auf keine Gegenliebe. Der Grund: Viele Kleinfischer befürchten das berufliche Aus. Der große Streitpunkt ist dabei der Einsatz von Stellnetzen. Die betroffenen Fischer haben sich mit Berufskollegen aus Niedersachsen inzwischen zu einer sogenannten Notgemeinschaft zusammengeschlossen.

Mit Stellungnahmen und verbalem Protest soll sich der Widerstand der Fischer aber nicht erschöpfen. Für den Fall, dass das Ministerium in bestimmten Regionen eine Fischereiverbotszone mit achtmonatiger Dauer zuzüglich der einmonatigen EU-Schonzeit verhängt, kündigt der Landesfischereiverband Schleswig-Holstein den Gang zum Verwaltungsgericht an. Die Dachorganisation sieht die Fischer vor allem auch im Vergleich mit den Berufskollegen in Dänemark benachteiligt, für die die geplanten naturschützenden Richtlinien nicht gelten. Der Fischereiverband mahnt wirtschaftliche Alternativen an. Die Stellnetzmethode wird dabei als vergleichsweise tierfreundlichste Fangmethode hingestellt, eine Studie aus Dänemark wird dazu ins Feld geführt.

Der Fischereiverbandsvorsitzende Lorenz Marckwardt unterstellt Umwelt- und Walschützern, sie betrieben einen regelrechten Feldzug gegen die Fischerei. Für ihn reichen freiwillige sechswöchige Ruhezeiten seitens der Fischer aus - sowie der Einsatz von Warnsignal-Pingern an den Netzen und die Verwendung anderer Netzfarben. Auch über geringere Höhen und Längen der Stellnetze sei man bereit zu reden. Und Marckwardt bezweifelt, dass die Schweinswale überhaupt vom Aussterben bedroht sind.

Der Naturschutzbund NABU unterstützt dagegen Habeck, den im rot-grünen Koalitionsvertrag formulierten Verzicht auf die Stellnetzfischerei voranzutreiben. Und der Verband kritisiert die Äußerungen von Marckwardt. Das Abstreiten einer Gefährdungssituation für den Schweinswal liefere für manch einen Politiker den argumentativen Boden fürs Nichtstun, heißt es vom NABU. Der Naturschutzbund unterstreicht in diesem Zusammenhang seine Rolle als Meeresschützer im Interesse und zum Wohle der Fischerei und verweist etwa auf die Aktion »Fishing for litter«, bei der NABU zusammen mit einigen Ostseefischern die Rückholung von Müll aus dem Meer voranbringe.

Habeck möchte nun wenige ausgewählte Fangzonen mit Einschränkungen in Sachen Stellnetzverwendung belegen. Die Tabuzeiten sollen vom 15. Juni bis 15. September dauern, zusätzlich für den Schutz von Tauchenten aber auch noch einmal vom 15. November bis 15. April. All das reicht dem NABU jedoch nicht aus, um die jährlich 1000 bis 2000 Schweinswale vor der schleswig-holsteinischen Ostseeküste umfänglich zu schützen. NABU fordert ein flächendeckendes Stellnetzverbot und hat ebenfalls mit dem Klageweg gedroht, wenn es in der Verordnung, die für den Herbst erwartet wird, bei den nur wenigen ausgewiesenen Stellnetz-Verbotsregionen bleiben sollte.

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