Werbung

Personenschutz für Tiere?

Karsten Brensing hat das Buch »Persönlichkeitsrechte für Tiere« verfasst.

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

nd: Sie fordern Persönlichkeitsrechte für Tiere. Haben Tiere denn eine Persönlichkeit?
Brensing: Ja. Richtig formuliert, müsste man von nichtmenschlichen Personen sprechen. Persönlichkeit und individuelle Charakteristika werden oft verwechselt. Individuelle Charakteristika sind in der Natur weit verbreitet, selbst Fliegen besitzen diese. Manche Verhaltensbiologen glauben, dass sich einige Tierarten kognitiv so hoch entwickelt haben, dass sie als nichtmenschliche Personen betrachtet werden müssen.

Was für Charakteristika?
Individuelle Charakteristika werden im Laufe des Lebens entwickelt, sind aber auch genetisch vorgeprägt. Sie haben einen biologischen Sinn. Tiere haben ein breites Verhaltensspektrum. Die einen bleiben lieber in der Gruppe, andere haben eine innere Motivation, aus einer solchen auszubrechen. Sie gehen zwar ein größeres Risiko ein, sind aber eventuell schneller an einer neuen Nahrungsquelle.

Haben Tiere etwa auch Kultur?
Nachweislich ja. Sie bringen sich gegenseitig etwas bei, imitieren sich, lernen voneinander und geben dies über Generationen weiter. Es kann sich um eine Anpassung an Lebensumstände handeln. In Australien hatte ein Delfinweibchen begonnen, auf der Schwanzspitze rückwärts zu schwimmen. Das tun Delfine in Freiheit nicht. Dieses Tier hielt sich zuvor drei Wochen in einem Delfinarium auf. Dort hatte es sich das abgeschaut, obwohl es nicht darauf trainiert wurde. In Freiheit wurde dann beobachtet, dass diese neue Bewegung von anderen Delfinen imitiert wurde. Eine kulturelle Leistung.

Und Berufe haben sie auch?
Es gibt Arbeitsteilung. Es bringt Vorteile, wenn sich eine Gruppe aufteilt, zum Beispiel beim Jagen. Das hat man bei Schimpansen beobachtet. Die unterschiedlichen Aufgaben werden geschickt koordiniert. Das ist ein komplexes soziales Interagieren.

Tiere sind also zu strategischem Denken und Handeln fähig?
Ja, bestimmte Tierarten. Strategie bedeutet, ich verstehe eine Situation und handele folgerichtig. Experimente mit Delfinen haben beispielsweise deren strategisches Denken bewiesen.

Und darum fordern Sie Persönlichkeitsrechte für Tiere?
Ich bin der Meinung, wenn Tiere Fähigkeiten von Personen aufweisen, sollten wir sie als Personen betrachten. Wir sollten akzeptieren, dass deren Denken gar nicht soweit von dem unsrigen entfernt ist. Warum sollte das Denken denn auch so unterschiedlich sein, wir sind ja auch nur Tiere. Wir haben Menschrechte. Warum haben hoch entwickelte Tiere mit einer Vorstellung von sich selbst und anderen kein Recht auf Selbstbestimmung oder kein Recht auf Unversehrtheit?

Was bedeutet diese Sicht für unsere Gesellschaft?
Mir ging es vor allem in meinem Buch darum, den Menschen im Tierreich einzuordnen. Ich hoffe also, dass es die indirekte Auswirkung hat, dass wir den Umgang mit Tieren verändern. Das geht beim Hundebesitzer los, der ein Sozialtier allein im Zwinger hält, das geht bei der Massentierhaltung weiter. Es geht um gleiches Recht für alle, und wenn einige Tierarten sich auf das Niveau von Personen entwickelt haben, dann sollten sie Personenschutz bekommen.

Fragen: Sabine Sölbeck

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

Noch kein Abo?

Jetzt kostenlos testen!

14 Tage das »nd« gratis und unverbindlich als App, digital oder gedruckt.

Kostenlos bestellen