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Ernährungsindustrie verhindert bessere Kennzeichnung

Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft fordert eindeutige Deklaration der Herkunft bei Milchprodukten

nd: Friesland-Campina darf seine Milch der Marke »Mark Brandenburg« nach einem Urteil des OLG Stuttgart nicht mehr unter dem Namen »Mark Brandenburg« verkaufen, da die Bezeichnung irreführend sei. Warum?
Voß: Anders, als die Aufschrift vermuten lässt, war in den Kartons der niederländisch-deutschen Molkerei offenbar Milch aus dem Rheinland, abgefüllt in Köln und dann per Lkw nach Berlin und Brandenburg kutschiert. Das ist Verbrauchertäuschung.

Was ist für die Regionalkennzeichnung eines Produktes ausschlaggebend?
Allgemeine Regeln der Regionalkennzeichnung gibt es noch nicht. Regionalität ist aber gefragt, weil eine besondere Qualität der Erzeugung damit erwartet wird. Also muss regionale Milch von Kühen kommen, die nicht nur in der Region gemolken werden, sondern die mindestens auch auf die Weide kommen, anstatt ganzjährig im Stall zu stehen.

Täuscht etwa eine ganze Branche die Verbraucher gezielt?
Die Milchindustrie hat grundsätzlich vor allem ihre eigenen Interessen im Blick, und die decken sich eben häufig nicht mit denen der Verbraucher und auch nicht mit denen der Bauern.

Weshalb lässt die Gesetzeslage scheinbar viele Lücken beim Thema Regionalkennzeichnung?
Weil die Ernährungsindustrie bisher jeden Vorstoß verhindert hat, diese Lücken zu schließen. Die Industrie sieht Milch als reinen Rohstoff an, der für sie vollkommen austauschbar sein soll. Wenn die Milch woanders billiger ist, will sie die Milch dort kaufen. Aufgeklärte Verbraucher stören dieses Verschieben.

Sie fordern die klare Deklaration der Herkunft. Wie müsste diese aussehen?
Auf der Verpackung muss nicht nur stehen, in welcher Molkerei die Milch abgefüllt worden ist, sondern auch wo die Kühe gemolken worden sind, wie sie gehalten worden sind – Stichwort Weidehaltung. Und ob die Kühe mit gentechnikfreiem Futter gefüttert werden oder nicht. Herkunft und Qualität gehören zusammen.

Ist die Werbung mit grünen Wiesen und glücklichen Kühen nicht eine Irreführung der Verbraucher?
In ihrer Werbung akzeptiert die Industrie den grundlegenden Wunsch unserer Gesellschaft nach hohen Qualitätsanforderungen etwa an die Tierhaltung, also den Ruf nach einer bäuerlichen Ausrichtung der Landwirtschaft. Das Entscheidende ist nun, diese Erwartung auch in der Praxis, d.h. in den agrarpolitischen Rahmenbedingungen und Gesetzen umzusetzen.

Werden die Verbraucher auch bei anderen landwirtschaftlichen Produkten getäuscht?
Leider ja. Auch bei Fleisch wird zum Beispiel suggeriert, dass das Huhn von einem »Wiesenhof« komme, was bei Tieren aus agrarindustriellen Anlagen mit der Wirklichkeit rein gar nichts zu tun hat.

Während man Regionalität gesetzlich definieren könnte, fällt dies gleichzeitig bei anderen Werbeversprechen eher schwer. So verkauft Aldi Fleisch unter der Marke „Bauernglück“. Kann und sollte man solche Begriffe zu Werbezwecken verbieten oder wie ist damit umzugehen?
Billigfleisch als „Bauernglück“ zu verkaufen, ist blanker Zynismus. Das Beispiel der Milch zeigt ja, wie wichtig eine wache und aktive Öffentlichkeit ist. Nichts fürchtet die Agrarindustrie mehr als die kritische öffentliche Aufmerksamkeit. Eine breite gesellschaftliche Debatte ist der Hebel, um Gesetze und auch die Rechtsprechung zu verbessern.

Fragen: Robert D. Meyer

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