Flämingbauern fürchten zu viel Natur

Viele Bauern tun sich mit dem Umweltschutz schwer - auch im Fläming ist das nicht anders

  • Von Stefan Tesch, Roßlau
  • Lesedauer: ca. 3.5 Min.
»Ländeken, was bist du für ein Sändeken«, soll Martin Luther über den Fläming gesagt haben. Karge Böden und Wasserarmut boten den Bauern halt wenig Auskommen. Dennoch lebt die dünn besiedelte Region bis heute maßgeblich von Ackerbau, Viehzucht und Waldbewirtschaftung - und das durchaus zum Nutzen des Fläming. Denn der ursprüngliche Landstrich weist Dank bäuerlicher Hand einen sehenswerten Pflegezustand auf. Dass dies ein Pfund ist, mit dem man wuchern sollte, um mehr Ausflügler anzulocken und so weitere Beschäftigung zu schaffen, befand bereits 1993 eine Handvoll Enthusiasten. Sie plädierten dafür, den Fläming zum Naturpark zu erklären.
Und doch schaut man zwölf Jahre später noch immer neidvoll ins Brandenburgische, wo sich der Naturpark Hoher Fläming wachsender überregionaler Beliebtheit erfreut. Dass sich die Magdeburger Regierung dagegen schwer tut, in ihrem Flämingteil nachzuziehen, liegt nicht unwesentlich an den Bauern. »Hören sie etwas von Naturpark, denken sie nur an Naturschutz und fürchten neue Beschränkungen für Investitionen, Erntetermine oder Düngemitteleinsatz«, weiß Elke-Andrea Ciciewski, die in Jeber-Bergfrieden die Geschäfte des Vereins Naturpark Fläming e.V. führt; das ist der künftige Träger des Naturparks. Der Riss gehe diesbezüglich selbst quer durch die Kreisbauernverbände. Während Wittenberg und Mittlere Elbe »trotz einiger Bedenken« dafür seien, sperre man sich im Jerichower Land gegen den Naturpark.
»Elke-Andrea Ciciewski denkt selbst in bäuerlichen Kategorien, führt sie doch auch die Geschäfte im Verein der Direktvermarkter in der Region Anhalt. Aber eben deshalb teilt sie den Pessimismus nicht, sieht hier vielmehr eine zusätzliche Chance. In anderen Regionen, etwa Bayern, hätten Landwirte aktiv für Naturparks gearbeitet, eben weil sie mit zu den größten Nutznießern gehörten, erzählt sie. Die 93 Naturparks in Deutschland seien heute längst Vorbilder für die Zukunft ländlicher Regionen. Auch einen Naturpark Fläming betrachtet sie als ein »Markenzeichen für die Region, das die Absatzchancen für regionale Produkte klar verbessert«. Denn im Kopf der Leute seien Naturparks eben positiv besetzt. »Sie stehen für intakte, gesunde Landschaft. Damit werden sie zu einer wirtschaftlichen Kurbel für die Betriebe, die hier arbeiten, weil die Verbraucher dieses gute Image auch auf sie und ihre Produkte übertragen«, so Elke-Andrea Ciciewski. Überdies beabsichtige niemand, im Fläming, der bereits weitgehend aus Schutzgebieten besteht, weiter reglementierend einzugreifen, versichert sie. Jeder Landwirt könne so wirtschaften wie bisher. Und doch will die Skepsis unter den Bauern und teils auch Gemeindevertretungen nur schwer weichen. Hören sie von nachhaltiger Landwirtschaft oder »Verknüpfung von Naturschutz, Agrarproduktion und Erholung in der Kulturlandschaft«, schwant ihnen oft nichts Gutes. Selbst das von der Vereinschefin gern gebrauchte Bild vom »Schutz der Landschaft durch deren Nutzung« hat für manchen einen unangenehmen Doppelklang. Edmund Herrmann, Geschäftsführer des Bauernverbandes Jerichower Land, spitzt es deutlich zu: Wenn von einem »Wirtschaftsraum Naturpark« die Rede sei, frage man sich doch, »wer hier zukünftig wirtschaftet?« Er sieht die in seinem Kreis betroffenen 60 Agrarbetriebe dann bald nur noch als »Landwirtschaftspfleger«. Immerhin wären sie der größte Arbeitgeber der Region.
Aber auch jene Verbände und Betriebe, die sich künftig in die Naturparkarbeit einbringen wollen, täten dies zumeist nur, weil sie sich sagten: »Mache ich nicht mit, kann es noch schlimmer kommen. So lässt sich halt noch etwas beeinflussen«, so Elke-Andrea Ciciewski. Gleichwohl bedauert sie, dass nicht alle Landeigentümer immer bereit seien, die regionale Entwicklung zu unterstützen: »Die Identität der Bürger mit dem Fläming ist nur gering ausgeprägt.«
Anders werten es vor allem Direktvermarkter. Herbert Els, der in Bornum Mutterkühe züchtet und Feldbau betreibt, sieht durchaus Vorteile darin. Denn er verkauft nicht wenig über seinen Hofladen sowie auf gut besuchten Hoffesten, etwa Wurst und Fleisch aus eigener Verarbeitung. Auch aus Gesprächen mit Wanderern und Radlern, die er an den Koppeln trifft, weiß er, wie sehr Auswärtige das Natürliche der Region schätzen. So betrachtet der 52-Jährige den Naturpark auch als »schöne Werbung für den Fläming«.
Ob Imker, Spargelbauer, Teichwirt oder Ziegenhalter - bei all jenen, die auf exklusive Nischen setzen, sieht Elke-Andrea Ciciewski derzeit die größten Chancen, um im Fläming Arbeitsplätze zu sichern. »Gerade für sie ist die Ausweisung als Naturpark ein zusätzliches Marketinginstrument, aber auch für die Kommunen und ihre Dorffeste, für Gastwirte und das regionales Handwerk«, ist sie sicher. So kann sie sich auch nicht vorstellen, dass der Naturpark nicht kommt. Allenfalls Änderungen an den Grenzen mag sie nicht ausschließen. Vor allem aber rät sie allen Skeptikern: »Nur wer im Trägerverein sitzt, kann über seine Geschicke mitbestimmen.«

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