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Roma werden massiv ausgegrenzt

In den »Berliner Zuständen 2012« analysieren Initiativen den aktuellen Rassismus

Die Liste der Klischees über Roma ist lang. In deutschen Medien werden die teils Jahrhunderte in der Gesellschaft weitergegebenen Stereotype auch gerne abgerufen, um sie in die aktuelle Berichterstattung zur Situation bulgarischer und rumänischer Zuwanderer einzuflechten. Das hat Andrea Wierich vom Berliner Verein »Amaro Foro« herausgefunden. Die Autorin stellt fest: »Hier werden also leicht abrufbare Vorurteile benutzt, um eine einfache Erklärung für eine Situation zu liefern, die gar nichts mit einer bestimmten Ethnie zu tun hat - betroffen sind gering qualifizierte und finanziell schlecht gestellte rumänische und bulgarische Staatsbürger, und zwar aufgrund struktureller Bedingungen, die sie in Deutschland vorfinden.«

Wenn von einer ethnischen Spezifizierung gesprochen werden könne, dann nur in einer Hinsicht, meint Wierich: Rumänische und bulgarische Roma, bzw. Menschen, die aufgrund ihrer Erscheinung für Roma gehalten werden, sind massiver Diskriminierung seitens der deutschen Mehrheitsgesellschaft ausgesetzt - und zwar in allen Bereichen des öffentlichen Lebens. Der Text zur Ausgrenzung von Roma in der Gesellschaft und den Medien entstammt den »Berliner Zuständen 2012«. Der »Schattenbericht« über Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus erscheint seit 2007 einmal im Jahr. In der Broschüre stellen Berliner Initiativen ihre Sicht auf gefährliche gesellschaftliche Probleme dar. Herausgegeben wird die Schrift, die in diesem Jahr in einer Auflage von 2500 Exemplaren gedruckt wurde, vom antifaschistischen Pressearchiv und Bildungszentrum (apabiz) sowie der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin (MBR).

Von Jahr zu Jahr beteiligen sich unterdessen immer mehr Initiativen an der Broschüre, berichtet Sabine Hammer von der MBR. Inhaltlich ist der »Schattenbericht« in zwei Teile strukturiert: Zum einen geht es in jedem Jahr um einen Schwerpunkt, zum anderen um die »Schattenberichte« der Initiativen.

Im frisch erschienenen Bericht ist der Schwerpunkt der Rassismus in den Medien. »Wir haben den Schwerpunkt gewählt, um einen der wichtigen Aspekte aus den Erfahrungen mit dem Nationalsozialistischen Untergrund zu wählen«, sagt Hammer. Es geht um die Frage: Wie gehen die Gesellschaft und die Medien mit Ausgrenzung und Sprache um? Neben dem grassierenden Antiziganismus wird in den »Berliner Zuständen« von Hadija Haruna (Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland) auch die generelle Frage aufgeworfen, wie rassistisch die Medien sind. Ulli Jentsch vom apabiz diskutiert zudem die schwierige Beziehung bezüglich unabhängiger Recherche zwischen Medien und Verfassungsschutz.

Die inzwischen auch immer besser gestaltete und in diesem Jahr mit beeindruckenden Porträtfotos illustrierte Broschüre empfiehlt sich aber auch für all jene, die sich über bestimmte Themenfelder ein Bild machen möchten. Denn in der 100-seitigen Schrift werden in den »Schattenberichten« eine Vielzahl von problematischen Entwicklungen in der Stadt untersucht: Sei es zu Islamfeindlichkeit, Sexismus, Homophobie oder zur Entwicklung des gesamten Rechtsaußen-Spektrums von »Reichsbürgern« bis zur NPD und den sogenannten Autonomen Nationalisten.

Im Gegensatz zu früheren Broschüren richtet der »Schattenbericht« aber auch verstärkt ein Augenmerk auf die Perspektive der Opfer, die in Interviews und Fallgeschichten zu Wort kommen - auch das eine Lehre aus dem NSU-Desaster. Die Broschüre der kann sowohl als Print bei der MBR bestellt werden, sie findet sich aber auch zum kostenlosen Download im Internet: www.blog.schattenbericht.de/files/2013/07/Schattenbericht-2012-web.pdf

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