Von Sarah Liebigt

Der Festsaal ist nicht mehr

Club in Kreuzberg brannte über Nacht nahezu völlig aus. Ein Nachruf

Das Gebäude in der Skalitzer Straße 130 in Kreuzberg ist rußgeschwärzt. »Mit bleischwerem Herzen melden wir, dass der Festsaal Kreuzberg am 21.07.2013 morgens um 6.30 Uhr dem am Vorabend um ca. 21 Uhr ausgebrochenen Brand erlegen ist. Die Berliner Feuerwehr hat ihr Bestes gegeben, um das zu verhindern«, hieß es in einer am Sonntagmorgen veröffentlichten Mitteilung des Clubs. Im Netzwerk Facebook wurde die Nachricht von Hunderten verbreitet, zahllose teilen ihre Bestürzung mit – und kündigten ihre Unterstützung an.

Seit die Meldung im Radio lief und ihre Kette an Beileidsbekundungen nach sich zog, purzelten Erinnerungen aus neun Jahren Die doppelte Geburtstagsfeier im Dezember 2011: 15 Jahre Antifa Jugendredaktion (AJAK) und fünf Jahre Theorie und Praxis (TOP B3rlin), mit den Goldenen Zitronen auf der Bühne. Die Lesung von Egotronicsänger Torsun aus »Raven wegen Deutschland«, mit Pfeffi, Hipstern und zu vielen Zigaretten. Reihenweise Stühle statt Reihen von Tanzenden. Die Geburtstagsgala und -party von FelS Berlin (Für eine linke Strömung) im Juni 2012, mit 20 Jahren linker und linksautonomer Geschichte, Sekt und Pflastersteingebäck. Die Soliparty für Dresden Nazifrei!, mit einer Warteschlange quasi bis zum Görlitzer Bahnhof. Die Kiezboxgala, mit Rummelsnuff und Nummerngirls. Das Konzert von Seeed: glücklicherweise in schönen Schwarz-Weiß-Bildern für immer in ihrem Musikvideo zum Song »Molotov« festgehalten ist die Schlange der Wartenden vor dem Club, die vorbeiratternde U-Bahn, die bei Konzerten schnell eng werdende Bühne und nicht zuletzt die irgendwie immer vorhandene Wohnzimmeratmosphäre im schwitzenden, vollen Club.
Die hölzerne Galerie, von der aus sich das Gezappel der Tanzenden trefflichst begucken ließ. Die Discokugeln und Kronleuchter oben an der Decke: Nichts mehr da.

Die Ursache für den Brand ist nach Polizeiangaben bislang unklar. Über zwölf Stunden lang waren bis zu 100 Feuerwehrleute im Einsatz. Sie hatten Probleme, in dem Gebäude an den Brandherd heranzukommen. Wegen der extremen Hitze von rund 400 Grad im Gebäude konnten Feuerwehrmänner zudem immer nur für kurze Zeit in das Haus. Bis auf einen Feuerwehrmann, der leicht verletzt wurde, gab es keine Verletzten.

Durch Lesungen und Infoveranstaltungen zum Beispiel vor dem Neonaziaufmarsch in Warschau 2011 ebenso wie durch die traditionelle Semesterauftaktparty vom Asta der FU und zahllose Solipartys war der Club feste Institution der linken Szene Berlins. Nicht wenige bangen nun, darum, dass der zerstörte Club in der Skalitzer Straße von etwas ganz anderem als einem neuen Festaal ersetzt wird. Drum soll dieser Nachruf nicht mit einem »R.I.P.« enden. Sondern mit einem ausdrücklichen Wunsch der baldigen Wiederauferstehung.

Artikel weiterempfehlen und ausdrucken