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Was hilft? Zukunft

Tendenz: Resilienz

  • Von Hans-Dieter Schütt
  • Lesedauer: 2 Min.
Ein Begriff geht um: Resilienz. Er bezeichnet in der psychologischen Forschung die innere Kraft des Menschen, Krisen zu verarbeiten. Mehr und mehr wird diese Fähigkeit zu einer therapeutischen Technik erhoben, um in Konzernen auf Entlassungen, auf Umstrukturierungen vorzubereiten. Reaktion auf einen erschreckenden Trend. So hat die Krankenkasse DAK registriert, dass die Zahl psychischer Erkrankungen in den letzten acht Jahren um 70 Prozent wuchs; der Anstieg von Fehltagen am Arbeitsplatz, verursacht durch Angst und Depression, betrug bei Männern im Alter zwischen 25 und 29 Jahren 106 Prozent. Resilienz-Workshops in größeren deutschen Unternehmen haben Konjunktur. »Die Welt« (3.12.) berichtete von Kurzlehrgängen für Führungskräfte und Mitarbeiter. Die Zeitung illustrierte ihren Text zur Resilienz (»Nur der Stärkere kommt durch«) mit einer Blüte, die aus Sandboden ragt, sich offenbar mühsam ins Licht stieß. Bildunterschrift: »Nicht jede Blume hat die Kraft, auch in der Wüste zu blühen. Mit Menschen im Berufsleben verhält es sich ähnlich.« Der Zynismus der neueren Elitebildung. Debatten über den Arbeitsmarkt der Zukunft auf dem Niveau des Darwinismus. Die Intelligenz des modernen Menschen hat also ihr wesentliches Maß im Verständnis des Einzelnen für just jene Situationen, die ihn möglicherweise aus dem Gleis werfen. Das Imperium schlägt zurück, und zwar mit dem Verweis auf die nötige Organisation der Selbstkräfte; es ist demnach allein die Gelehrigkeit der Einzelnen, welche die Menschen in stabile und labile, kräftige und schwache Wesen teilt. »Veränderungen lassen sich nicht verhindern, aber Ihre Art, darauf zu reagieren. Sehen Sie die belastende Situation unter einer langfristigen Perspektive« - dies rät die American Psychological Association. Die Konditionierung für jenes Unwägbare, von dem kein Leben verschont bleibt und das auch keine noch so begeisternswerte Utopie von glückender Geschichte aus der Welt schaffen kann - dieses Unwägbare wird merklich umgelogen in eine Versagenspotenz des Menschen, deren Behebung in seinen eigenen Händen liegt, nicht im Auftrag der Gesellschaft. Die belastetende Situation unter einer langfristigen Perspektive sehen? Die langfristigste Perspektive ist in jedem Fall das Nichts. Diese Aussicht, jetzt schon in alltägliche Praxis verwandelt, erhebt jeden Aussortierten, jeden Hilflosen zu einem Menschen, der seiner Zeit voraus ist. Jener Workshop, der solches Glück verkauft, ernährt bereits seine Leute. Zwei Sehnsüchte nehmen zu in der merkwürdig grollenden Gesellschaft: die des Staates nach mehr Staatsschützern, die des Bürgers nach mehr Seelentrost. Aber wo mehr Polizisten und Psychologen helfen sollen, offenbart sich ein Problem, das just mit Polizisten und Psychologen nicht gelöst werden kann.

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