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Werder fiebert Nord-Derby entgegen

Mit einem Heimsieg gegen den Hamburger SV könnte Bremen zu den Bayern aufschließen

Beim Fußball-Bundesligisten Werder Bremen ist die Zeit aus den Fugen. Bei einem normalen Vormittagstraining waren schon Mitte der Woche drei Kamerateams und rund 50 Kiebitze dabei. Das ist sonst nicht die Regel. Doch die jüngsten sportlichen Erfolge in Europa und in der Bundesliga machen den Klub noch interessanter. Nach dem Erreichen des Achtelfinales in der Champions League, in dem den Nordlichtern am Freitag Juventus Turin zugelost wurde, steht in der Bundesliga am letzten Spieltag vor der Winterpause ein Kracher ins Haus. Am Sonntag gastiert der Hamburger SV im ausverkauften Weserstadion. Der Nord-Gipfel besitzt eigentlich schon genug Brisanz. Doch diesmal geht es um mehr als nur drei Punkte. Es geht um die Vormachtstellung im Norden, die derzeit der Hamburger SV mit zwei Zählern Vorsprung vor den Bremern inne hat. Mit einem Sieg könnten die Bremer am ebenfalls eine tolle Hinrunde spielenden HSV vorbeiziehen. Der Vize-Herbstmeister kann sich dann bis zum Rückrundenauftakt am 28. Januar 2006 mit einem zweiten inoffiziellen Titel schmücken - dem des wahren Bayern-Jägers. Bei einer durchaus möglichen Niederlage der Münchner am Sonnabend im ebenso prestigeträchtigen Duell bei den Dortmunder Borussen könnte der HSV im Siegesfalle bis auf einen Zähler, Bremen auf zwei Punkte zu den Münchnern aufrücken. »Die Bundesliga ist doch kein Wunschkonzert. In erster Linie müssen wir unsere eigenen Aufgaben erfüllen. Das werden wir am Sonntag versuchen. Aber der HSV ist ein starker Gegner. Das dürfen wir nicht vergessen«, meint Thomas Schaaf. Der Bremer Coach lässt sich vom Rummel um den Nord-Gipfel scheinbar nicht beeindrucken. Mit stoischer Ruhe, einer grün-orangenen Pudelmütze auf dem Kopf, unterbricht er immer wieder die Trainingseinheit auf Platz 10, rund 200 Meter vom Hauptstadion entfernt. Selbst Nationalspieler Patrick Owomoyela muss sich nach einem vermeidbaren Fehlpass Kritik gefallen lassen. Allerdings dürfte wohl auch eine Niederlage gegen die Hamburger, die von den letzten zehn Begegnungen in Bremen nur eine (2001/02: 1:0) gewinnen konnten, das Weihnachtsfest beim SV Werder nicht mehr verderben. Thomas Schaaf: »Wir spielen eine sehr gute Serie und haben bisher viele Dinge richtig gemacht. Nun wollen wir das Jahr 2005 mit dem Spiel gegen den HSV und der Pokalpartie gegen Hannover 96 positiv abschließen.« Der zuletzt angeschlagene kroatische Stürmer in Bremer Diensten, Ivan Klasnic, drückt sich klarer als sein Trainer aus: »Wir müssen gewinnen, um oben dran zu bleiben. Wenn die Bayern bei Borussia Dortmund verlieren, könnte es sehr gut für uns aussehen.« Miroslav Klose: »Wir sind Favorit« Trainer Schaaf muss sich entscheiden, ob neben BundesligaTop-Torjäger Miroslav Klose (16 Treffer) Klasnic oder erneut Nelson Valdez in der Startformation stehen wird. Klose wird es egal sein. Der deutsche Nationalspieler weiß nur eins: »Wir sind favorisiert, weil wir zu Hause spielen. Wir wollen den Fans und uns ein fröhliches Weihnachtsfest bescheren.« Bei so viel Optimismus ist für negative Strömungen kein Platz - könnte man meinen. Und doch gibt es auch in Bremen Sorgen. Torhüter Andreas Reinke hinterlässt derzeit keinen guten Eindruck. Einige Gegentore in dieser Spielzeit gehen auf sein Konto. Reinke ist trotz seiner Erfahrung von bald 37 Lebensjahren dünnhäutig geworden. Gesprächen mit Journalisten geht er momentan lieber aus dem Weg. Unter diesen Umständen rückt Tim Wiese verstärkt in den Blickpunkt. Nach seinem Kreuzbandriss vor fünf Monaten schuftet der Ex-Lauterer, der am heutigen Sonnabend 24 Jahre alt wird, für sein Comeback. Die Wachablösung von Reinke auf Wiese scheint programmiert. »Wir gehen davon aus, dass Tim Wiese im Frühjahr wieder der Alte ist und sich beweisen will«, sagt Thomas Schaaf. Gegen den Hamburger SV soll es aber auch mit Andreas Reinke mit einem Sieg klappen.

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