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Geschäfte mit dem »Glaubensfeld«

Beim Papstbesuch in Rio werden Hände nicht nur zum Beten gefaltet, sondern auch weit aufgehalten

  • Von Norbert Suchanek, Rio de Janeiro
  • Lesedauer: 3 Min.

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Papst Franziskus ist in Brasilien mit stürmischer Herzlichkeit sowie heftigen Protesten empfangen worden. »Ich bin gekommen, um junge Menschen aus allen Teilen der Welt zu treffen, die von den offenen Armen Christi des Erlösers angezogen werden«, sagte das Kirchenoberhaupt nach seiner Ankunft zum katholischen Weltjugendtag in Rio de Janeiro.

Mit Verkehrschaos, Wasserwerfern, Tränengas und Gummigeschossen endete der erste Tag des Besuchs von Papst Franziskus in Rio de Janeiro. Hunderte Cariocas, wie die Einwohner Rios heißen, hatten sich vor dem Gouverneurspalast der Metropole am Zuckerhut versammelt. Dort traf sich der Gast aus Rom mit Präsidentin Dilma Rousseff und den Oberhäuptern der Stadt. Die Demonstranten wurden nach dem Treffen von der Militärpolizei mit Gewalt vertrieben. Ein von Protestierenden geworfener Brandsatz habe die Räumungsaktion notwendig gemacht, so die Polizei. Es gab wenigstens sechs Verletzte (darunter ein Polizist), sechs Demonstranten wurden festgenommen.

Die Proteste richteten sich allerdings nicht gegen den Papst, sondern im Wesentlichen gegen seine laut Demonstranten »korrupten« Gastgeber: Rio de Janeiros Bürgermeister Eduardo Paes, Gouverneur Sérgio Cabral und Präsidentin Rousseff. Die brasilianische Präsidentin hatte auf ihre Entschlossenheit verwiesen, ebenso wie der Papst Ungleichheit zu bekämpfen, die durch die Wirtschaftskrise verschärft werde. Mit Blick auf die Sozialproteste der vergangenen Wochen erklärte die Staatschefin, dass ihr Land zwar Fortschritte bei der Bekämpfung der Armut erzielt habe, es aber noch viel zu tun gebe.

»Papst Franziskus, du bist in schlechter Gesellschaft«, machten die Plakate klar. »Weg mit Dilma und Cabral!« Und eine den Gouverneur darstellende Puppe ging in Flammen auf.

Die Demonstranten kritisierten auch die hohen Staatsausgaben für den Papstbesuch und den Weltjugendtag in Rio. Über 50 Millionen Dollar für den Pontifex und das Event, doch kein Geld für Gesundheit und Ausbildung, kritisieren sie. Allein der Papstempfang im Gouverneurspalast kostete den brasilianischen Steuerzahler umgerechnet rund 300 000 Euro.

Einer der Hauptprofiteure von Papstbesuch und Weltjugendtag ist Sérgio Cabrals Schwiegervater Jacob Barata Filho. Er ist Besitzer eines Naturgrundstücks im 60 Kilometer vom Zentrum Rios entfernten Guaratiba, wo Franziskus am Sonntag die Heilige Messe des 28. Weltjugendtages mit anschließendem Angelus-Gebet vor mehr als einer Million Menschen halten wird. Mit Steuergeldern wurde dieses »Glaubensfeld« getaufte Grundstück extra für das nur ein paar Stunden dauernde Event abgeholzt und plattgemacht. Für den Multimillionär Jacob Barata Filho ist diese kostenlose Planierung von rund zwei Millionen Quadratmetern ein gutes Geschäft, denn nach dem Papstbesuch will er dort eine Wohnsiedlung, die Vila Mar, errichten und verkaufen.

Nicht nur dies: Jacob Barata Filho, der Besitzer der Bank Guanabara und des Luxus-Krankenhauses Copa D›Or, ist auch einer der größten Busunternehmer Brasiliens, der rund 25 Prozent des privatisierten öffentlichen Nahverkehrs von Rio de Janeiro kontrolliert. Allein die Weisung der Regierung, dass die Pilgerbusse am Stadtrand zu halten haben und die mehr als eine Million Pilger die öffentlichen, sprich: Baratas Busse benutzen müssen, spült weitere Millionen in dessen Kasse.

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