Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.

Frust-Lust beim Mutter-Kind-Spiel

Schülerdarsteller halten sich und ihrer Umwelt den Spiegel vor

  • Von Peter Kirschey
  • Lesedauer: ca. 1.5 Min.
Gestresste Eltern, genervte Kinder, ekelhafte Lehrer - ist das die Welt, in der Familien heute leben und sich im Überlebenskampf behaupten müssen? Und das in der Vorweihnachtszeit, wo doch braves Krippenspiel und Engelszauber dominieren. Eine junge Berliner Theatertruppe mit 18 Jugendlichen unterschiedlicher Kulturen versucht in dem szenischen Programm »Zwischen noch mehr und keen Bock nich« Antworten zu geben, wie junge Leute ihre Umwelt wahrnehmen. Die Figuren entsprechen allen gängigen Klischees von Jung und Alt: Die alleinstehende Mutter, die sich im Haushalt zu Tode rackert, während die beiden Kinder zänkisch übereinander herfallen; die traditionelle türkische Familie, in der der Vater das Geld heranschafft und dafür den Hauspascha spielen darf, dann aber völlig aus der Rolle fällt, als sich der Sohn als Schwuler outet. Da sind die beiden verbeamteten »Pädagogen«, die nur eines im Sinn haben: dem Schüler ihre Macht, ihre durchs Amt verliehene Überlegenheit zu demonstrieren. Dieser aber lässt sich durch nichts aus seiner Ruhe bringen und treibt das pädagogische Altholz damit zur Weißglut. Schließlich der durch das Programm führende erschütternde Report von drei Mädchen und ihrer Bekanntschaft mit Drogen. Statt Hilfe und Verständnis, spüren sie die Repressalien der Staatsmacht. Alles in allem recht bedrückend, wie Heranwachsende ihre Umwelt reflektieren. Doch es ist kein Hilfeschrei einer gequälten Nachwuchsgeneration, da ist auch viel Augenzwinkern und Spaß am Ekel-Spiel dabei. Wie aus einem Maschinengewehr prasseln die Worte - und man versteht alles. Die textlichen Vorlagen sind Tagebüchern von Schülern entnommen, sie haben ihre Befindlichkeiten formuliert. Und am Schluss zeigt sich doch: Der Generationenkonflikt ist eigentlich ein uralter - nur in neuzeitliche Sprache und Mimik gekleidet. Die Premiere war in dieser Woche im Weddinger Jugendzentrum Olof Palme, im nächsten Jahr sind weitere Auftritte in Friedrichsh...

Wenn Sie ein Abo haben, loggen Sie sich ein:

Mit einem Digital-, Digital-Mini- oder Kombi-Abo haben Sie, neben den anderen Abo-Vorteilen, Zugriff auf alle Artikel seit 1990.

Bitte aktivieren Sie Cookies, um sich einloggen zu können.