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Warten auf Iftar in Abu Dhabi

Nach Sonnenuntergang beginnt im Fastenmonat Ramadan das große Schlemmen

Landeanflug auf Abu Dhabi. Nach der Ermahnung, den Sicherheitsgurt zu schließen, folgt ein ungewöhnlicher Hinweis: Es ist Ramadan und auch Besucher der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate sind gehalten, sich an die Regeln des islamischen Fastenmonats zu halten. Mit anderen Worten: Zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang muss auf Essen und Trinken verzichtet werden. Wer sich nicht daran hält, dem drohen Strafen und im schlimmsten Fall gar Gefängnis.

Nichtmuslime müssen aber nicht hungern und dursten, wie mich Dody beim Cappuccino im italienischen Restaurant eines der besseren Hotels der arabischen Metropole beruhigt. »Ausnahmen vom Ramadan wie diese hier werden in vielen Hotels geduldet«, weiß der 32-jährige Bauingenieur aus Jordanien, der als Muslim natürlich auf Cappuccino verzichtet.

Abu Dhabi ist im Ramadan wie leergefegt. Viele Läden sind geschlossen. Tagsüber sind hauptsächlich buddhistische Nepalesen und Ceylonesen, Hindus aus Indien und Katholiken von den Philippinen unterwegs. Sie gehören zu den vier Millionen Arbeitsmigranten, die 80 Prozent der Bevölkerung der VAE stellen. Tess Cruz, eine philippinische Verkäuferin, sagt gelassen: »Ich esse und trinke nur heimlich, damit mich meine muslimischen Kollegen nicht sehen. Ich will sie ja nicht verführen.«

Rasool Zaman hat nichts gegen das Fasten einzuwenden, solange es nur der Verzicht auf Essen ist Aber in der arabischen Hitze auch 17 Stunden nicht trinken zu dürfen, findet der Muslim aus Pakistan nicht richtig. »Für mich als Taxifahrer ist es nicht so schlimm. Im Auto ist es durch die Klimaanlage ja kühl. Aber für die, die bei 47 Grad Celsius im Freien arbeiten müssen, ist es tragisch.« Perera muss seine volle 12-Stunden-Schicht arbeiten. Aber als Buddhist aus Sri Lanka und Mitarbeiter eines Starbucks Cafés kann er essen und trinken soviel er will und wann er will. Denn die Fenster der Filiale der amerikanischen Kaffeekette sind mit schwarzen Tüchern verhängt. Tagsüber gibt es allerdings nur Kaffee und Kuchen zum Mitnehmen.

Wenn um 19 Uhr 15 aus den Lautsprechern der Moscheen Abu Dhabis Iftar, das Fastenbrechen, verkündet wird, geht das große Schlemmen los. Üppige Buffets zu oft üppigen Preisen lassen das lange Fasten vergessen. Selbst internationale Fastfoodketten bieten Ramadan-Kareem-Specials. Kareem bedeutet in etwa »großzügig« und damit ist nicht nur die Iftar-Völlerei gemeint, sondern auch die Aufforderung, sich bei Spenden für Arme generös zu zeigen.

Iftar ist wie unser Weihnachtsessen, nur dass es die Leckereien nicht nur an zwei Tagen, sondern einen Monat lang jeden Abend gibt. Das geht auf die Hüften und in den Müll. In islamischen Ländern steigt während des Ramadan die Menge weggeworfener Essensreste um ein Vielfaches an.

Für Zehntausende Muslime ist die strahlend weiße Sheikh-Zayed-Moschee das Iftar-Mekka, denn hier gibt es kostenlose Iftar-Dinner-Fresspakete. Nach Gebeten in einem der Zelte oder auf dem Rasen vor der grandiosen Moschee machen sich die meist männlichen, muslimischen Gastarbeiter aus Pakistan, Indien und Bangladesch mit Heißhunger über Reis, Curry, Hühnchen, Obst und Wasser her.

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