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Einsam am Rudel

Den traditionellen Fährbetrieben im Spreewald fehlt es häufig an jungem motivierten Nachwuchs

  • Von Peter Jähnel, dpa
  • Lesedauer: 3 Min.
Der Spreewald gehört zu den beliebtesten Reisezielen in Brandenburg. Viele Besucher unternehmen dort gern Kahntouren. Meist werden sie von Fährmännern gefahren, selten von Frauen. Es fehlt Nachwuchs.

Lübbenau. Für diese Bootsladungen von Touristen im Spreewald braucht man viel Kraft. Es erfordert zudem Geschick, die schweren Kähne mit der langen Holzstange - Rudel genannt - durch die kurvenreichen Flussarme zu schieben. Deshalb sind meist Männer im mittleren Alter die Chefs auf den Touristenkähnen in dem verzweigten Biosphärenreservat zwischen Lübben, Lübbenau, Vetschau, Schlepzig und Burg. Doch in der Branche hat man ernste Sorgen.

Touristenzahl halbiert

»Unser hoher Altersdurchschnitt könnte in einigen Jahren ein Problem werden«, sagt Steffen Franke. Der 40-Jährige ist Chef der Kahnfährgenossenschaft Lübbenau und Umgebung. Von deren 115 aktiven Fährleuten verdient etwa die Hälfte als Kleinunternehmer ihr Geld im Tourismus. Die meisten von ihnen seien mehr als 40 Jahre alte Männer, berichtet Franke. »Wir haben nur wenige Kahnfährfrauen.« Einige der Frauen begleiten die Kahngäste auch in traditioneller Tracht mit Haube und besticktem Rock, so zur offiziellen Eröffnung der Tourismussaison Ende März in Lübbenau, Lübben oder Burg.

Die Kahnfährleute im Spreewald befördern heutzutage nur noch halb so viele Gäste wie zu DDR-Zeiten auf den flachen Flussläufen. »Allein im Lübbenauer Raum haben wir jährlich 400 000 Kahngäste für die Touren«, berichtet Franke. Neben der Kahnfährgenossenschaft sind noch mehrere hundert Kahnfährleute in Vereinen, Tourismusfirmen oder in Familienbetrieben tätig und konkurrieren um die Besucher. Im Fährmannsverein »Flottes Rudel« in Lübben (Dahme-Spreewald) liegt der Altersdurchschnitt der 23 Fährleute bei 42 Jahren. »Bisher machen wir uns noch keine Sorgen um fehlenden Nachwuchs, aber in zehn Jahren könnte das ein Problem werden«, sagt der Fährmann und ehemalige Vereinschef Burkhard Herzke. Im Verein fährt nur eine Frau mit Gästen über die Flussarme. Diese sind um Lübben bis drei Meter tief und das Staken der Boote mit dem Rudel ist dort sehr schwer.

Zu den größten privaten Anbietern von Kahntouren gehört Dirk Meier. Der 49-jährige Hafenmeister des Spreehafens im Kurort Burg (Spree-Neiße) und Inhaber einer Pension beschäftigt auch zehn Kahnfährleute im Alter von 23 bis 54 Jahren, darunter drei Frauen. »Fehlender Nachwuchs ist für uns schon jetzt ein Problem«, schildert Meier die Lage. »Es ist schwer, junge Leute zum Kahnfährmann auszubilden, weil viele nicht am Wochenende arbeiten wollen. Zudem kommen viele deshalb nicht zur Ausbildung nach Burg, weil hier kein Bus fährt.« Meier bildet dennoch aus: »Wir wollen den jungen Leuten in der Region Burg eine Chance bieten.«

Mit der Ausbildung von Fährleuten beschäftigt sich auch Arwed Franke von der Lübbenauer Kahnfährgenossenschaft. »Von 1985 bis 2003 habe ich etwa 1200 Männern und Frauen an der Volkshochschule das Kahnfahren beigebracht, seit 2004 mache ich das auf privater Basis«, berichtet der 71-jährige Vater von Steffen Franke. »Wir brauchen mehr jüngere Kahnfährleute, aber es kommt niemand, weil sie bei den Vereinen und Unternehmen mehr Geld verdienen. Unsere Mitglieder führen ein Drittel der Einnahmen an die Genossenschaft ab, weil wir noch einen Kredit für unser Hafengebäude abzahlen müssen.«

Tagelang Pause

Wenn dann die Spree auch noch Hochwasser führt und die Kähne einige Tage lang in den Häfen liegen bleiben müssen wie im Juni, fällt die Einnahmequelle für die meisten Kahnfährleute weg. »Im Juni kamen allein zum Lübbenauer Hafen ein Drittel weniger Touristen als sonst in diesem Monat«, berichtet Steffen Franke. »Diese Einnahmeverluste im fünfstelligen Bereich können wir nur sehr langsam ausgleichen.«

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