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Morde an drei Naturschützern in Russland

Gewalt gegen die Umweltszene nimmt immer schlimmere Ausmaße an

  • Von Bernhard Clasen
  • Lesedauer: 2 Min.

Im Juli hat die Gewalt gegen Exponenten der russischen Umweltbewegung einen neuen Höhepunkt erreicht. Wie die norwegisch-russische Umweltorganisation Bellona und die russische Sektion von Greenpeace übereinstimmend berichten, wurden zwei Naturschützer im Gebiet Murmansk und ein weiterer in Tatarstan ermordet.

Demnach wurde in Tatarstan am 18. Juli der Waldschützer Igor Sapatow vor den Augen seines Sohnes getötet. Sapatow hatte gegen die illegale Abholzung von Nadelbäumen an den Ufern der Wolga und Kama gekämpft, mit der Platz für den Bau von Ferienhäusern geschaffen werden soll. Laut Bellona hatte Sapatow schon 2008 mit anderen Umweltschützern in einem Schreiben an die Behörden und den Präsidenten auf die Zerstörung von Naturschutzgebieten an den Flussufern hingewiesen. Die Staatsanwaltschaft erklärte, die Vorwürfe seien haltlos. Drei Jahre später forderte Sapatow erneut die Staatsanwaltschaft zum Handeln auf. Bereits in der Vergangenheit war er laut Greenpeace mehrfach überfallen worden.

Im Gebiet Murmansk wurden am 20. Juli nach Angaben von Bellona Nikolaj Podolskij und Sergej Malaschenko, Mitglieder des Umweltrates der Halbinsel Kola, erschossen. Der Mord ereignete sich in der Nähe einer Fischfabrik. Greenpeace zitiert Freunde der Ermordeten, die davon ausgehen, dass sie illegalen Fischern in die Quere gekommen waren.

Russlands Umweltszene sieht sich häufig Gewalt ausgesetzt. Im Mai war Stepan Tschernogubow in der Stadt Perwouralsk am Ural auf offener Straße von Polizisten in zivil zusammengeschlagen worden. Der Umweltaktivist verlor bei Schlägen mit einer Pistole mehrere Zähne und erlitt Kopfverletzungen. Tschernogubow war den Behörden schon lange ein Dorn im Auge. Immer wieder hatte er kritisiert, dass Abwässer des Unternehmens »Russkij Chrom 1915« in den Fluss Tschusowa gelangen. Sie können zu Krebs, Hautentzündungen und Atemwegserkrankungen führen.

Anfang April war der aus der Moskauer Vorstadt Chimki stammende Waldschützer Michail Beketow an den Spätfolgen eines brutalen Überfalls im November 2008 gestorben. Der 52-jährige Chefredakteur der »Prawda von Chimki« hatte sich gegen Rodungen im Wald von Chimki für den Bau einer Schnellstraße gewehrt. Bereits 2007 war Ilya Bodorajenko bei einer Angriff von rechtsradikalen Skinheads auf Anti-Atom-Camp erschlagen worden.

Greenpeace Russland forderte die Ermittlungsbehörden auf, die Verbrechen aufzuklären und die Täter zu bestrafen. »Sich in gesellschaftlich wichtigen Fragen zu engagieren, ist inzwischen mit sehr hohen persönlichen Risiken verbunden« erklärte Raschid Alimow vom Greenpeace-Büro in St. Petersburg gegenüber »nd«. »Es ist auch sehr zu bedauern, dass ein großer Teil der Gesellschaft jegliches Engagement sehr argwöhnisch beobachtet.«

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