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Attraktiv und hoch spekulativ

Finanzielle Bürgerbeteiligung beim Bau der Westküstentrasse birgt große Risiken für Kleinsparer

Mit einer Bürgeranleihe sollsich die Bevölkerung an der Finanzierung des Netzausbaus beteiligen können. Doch Finanzexperten raten davon ab.

Sie sollte eine Wunderwaffe sein. »Wir brauchen die Bürgerdividende, damit sich die Bürgerinnen und Bürger direkt an der Energiewende beteiligen können«, warb Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) Anfang Juli noch. Mit den Anleihen soll Geld für den Ausbau der Stromnetze bei der Bevölkerung eingesammelt werden. Die erste Anleihe dieser Art, mit der die geplante Westküstenleitung in Schleswig-Holstein zwischen Brunsbüttel und Niebüll mitfinanziert werden soll, erweist sich jedoch für die Kleinanleger als hochspekulativ.

Ausgegeben wird die Hybridanleihe seit Juni 2013 vom Netzbetreiber Tennet. Ab einer Mindestinvestition von 1000 Euro sollen sich die Anwohner der geplanten Trasse an deren Finanzierung beteiligen können. Die »Frankfurter Allgemeine Sonntagzeitung« ließ Finanzexperten nun die Geldanlage nun analysieren. Die kamen einhellig zu dem Schluss, dass die Anleihe nichts für Kleinsparer sei. Von seinem einstigen Werben für die »sichere Geldanlage« will Altmaier nun nicht mehr viel wissen. Auf die Risiken bei der Bürgerdividende angesprochen, antwortet er im Radio lediglich: »Ich bin kein Anlageberater.«

Das Problem mit dem Tennet-Wertpapier ist, dass es sich um eine sogenannte nachrangige Anleihe ohne feste Laufzeit handelt. Geht das Unternehmen, das sich im niederländischen Staatsbesitz befindet, einmal pleite, werden die Sparer nur schwerlich ihr Geld wieder zurück bekommen. Die Ratingagentur Standard&Poor›s stuft das Wertpapier mit »BB+« als spekulative Anlage ein, bei der bei Verschlechterung der Lage mit Ausfällen zu rechenen ist.

Tennet selber nennt die Bürgerdividende mit Berufung auf eine Studie der Nord/LB weiterhin eine »attraktive Anlage«. Doch auch wenn Tennet nicht pleite geht, hat die Anleihe einen großen Haken: Anfangs bekommen die Investoren lediglich drei Prozent Zinsen im Jahr. Erst wenn tatsächlich mit dem Bau der Leitungen begonnen wird, winken den Spareren fünf Prozent. Ab 2015 ist das geplant doch ganz sicher ist das nicht.

»Wenn das Genehmigungsverfahren länger dauert, bleibt der Zinssatz bei drei Prozent, solange bis der Bau beginnt«, bestätigt die Tennet-Sprecherin Ulrike Hörchens auf Anfrage von »nd«. Eine Verzögerung kann etwa eintreten, wenn gegen den Bau der Trasse geklagt wird. Denn bevor mit dem Bau begonnen werden kann, muss der genaue Streckenverlauf erst im Planfeststellungsverfahren bestimmt werden. Und dagegen können Anwohner noch vorgehen.

Ein weiterer Knackpunkt könnte die Wirtschaftlichkeit der geplanten Westküstentrasse sein. Man baue bereits heute Anbindungskapazitäten auf Vorrat, teilte Tennet im Mai mit. Der Grund sei der schleppende Ausbau der Offshore-Windenergie. Doch die Bürgeranleihe soll davon nicht betroffen sein. »Es ist sehr wichtig, dass die Leitung kommt«, so Hörchens. Man brauche die Westküstentrasse schließlich für die Windräder, die Schleswig-Holstein an Land hat. Das ist zumindest die offizielle Version.

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