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Jemenitisch-amerikanische Pressefreiheit

Abdulelah Haider Shaye ist frei, obwohl er ein US-Massaker aufdeckte

Es sind Bilder, wie man sie kennt aus Jemen: Gliedmaßen liegen abgerissen im Wüstensand. Ein verstaubter Darm schlängelt sich aus einem blassen Körper. Kinder wirken, als würden sie nur schlafen. 41 Menschen starben am 17. Dezember 2009 im Dorf Al Ma`jalah. Alle waren Zivilisten, die Hälfte Kinder. Wie hunderte Male zuvor erzählte Jemens Regierung irgendetwas vom Einsatz gegen Terroristen. Aber wer glaubt schon einem Verbrecherregime!

Der jemenitische Journalist Abdulelah Haider Shaye tat es nicht. Der Reporter von ABC und »Washington Post« reiste in das Dorf im Südwesten des Landes. Wie zu erwarten war, fanden sich dort nur trauernde Familien, keine Spur von Terroristen. Stattdessen fand er etwas Anderes: Überreste einer Tomahawk-Rakete. Eine hochmoderne Lenkwaffe, die nicht von den Sowjetbombern der jemenitischen Armee abgeschossen wird, sondern von U-Booten der US-Marine. Wieder folgte das, was man kennt von einem Regime, das »Reporter ohne Grenzen« in Sachen Pressefreiheit auf Platz 171 von 179 einstuft. Der jemenitische Geheimdienst warnte den 36-jährigen landesweit bekannten Journalisten, die Sache öffentlich zu machen. Doch Shaye schickte die Story vom opferreichsten Angriff, den die USA bis dahin im Jemen ausgeführte hatten, an den größten Nachrichtensender der arabischen Welt - Al-Dschasira.

Zu fünf Jahren Haft verurteilt ihn ein Gericht daraufhin. Wieder das übliche Gefasel von Terrorismus. Ein Schauprozess natürlich. Doch wieder war die wahre Schau weit größer: Nachdem Proteste von Menschenrechtsorganisation und der jemenitischen Öffentlichkeit zwischenzeitlich zu Shayes Freilassung geführt hatten, wies US-Präsident Obama seinen jemenitischen Kollegen Saleh per Telefon an, die Freilassung des Journalisten zurückzunehmen. Der Diener tat, was der Meister befahl.

Anfang dieser Woche wurde Shaye nun erneut auf Erlass des Präsidenten freigelassen - des jemenitischen, nicht des amerikanischen. Obamas Regierung bestreitet unterdessen weiterhin die Verantwortung für den Angriff. Aber wer glaubt schon einem Verbrecherregime?

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