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»Kein Tiger läuft stereotyp am Gitter lang«

Diskussion über Tierschutz, Zoo und Blaszkiewitz

Es ist kurz vor 19 Uhr an diesem Donnerstagabend im Zoo. Exotische Vogelschreie erfüllen die Luft, und die Tiger dösen am Ufer des Geheges. Vor einer Freilichtbühne am Rande des Raubtierhauses haben sich einige Dutzend Menschen versammelt, einige sitzen schon, andere delektieren sich an dem kleinen Büffet, trinken Mineralwasser oder auch ein Gläschen Wein.

Trotzdem liegt Spannung in der Luft. Eine Podiumsdiskussion ist angesetzt. Thema: Tierschutz in Berlin. Auf der Bühne: Zoo- und Tierparkdirektor Bernhard Blaszkiewitz, die 1. Vorsitzende des Berliner Tierschutzvereins, Ines Krüger, sowie Sabine Toepfer-Kataw (CDU), die als Staatssekretärin beim Justizsenat auch für den Tierschutz zuständig ist. Wer die Berichte über den Zoo verfolgt hat weiß, dass es zur Sache gehen wird. Blaszkiewitz ist nicht zimperlich, was seine Wortwahl angeht. Auch der Umgang mit seinen Mitarbeiterin wurde bereits häufig als sehr robust angeprangert. Sexismus, Selbstherrlichkeit, mangelnder Tierschutz, fehlende Visionen für eine Weiterentwicklung - die Liste der Anschuldigungen gegen ihn ist lang. Viele arbeiten an seinem Sturz, doch bisher ist es nicht dazu gekommen.

Die Fronten auf dem Podium sind verhärtet, die Rollen für das Sommertheater, welches die Zuschauer erleben werden, sind verteilt. Nach einem freundlichen Vorgeplänkel wirft Tierschützerin Krüger den Fehdehandschuh in den Ring. »Der Zoo ist ein Ort, an dem eine ambivalente Beziehung zum Tier gepflegt wird. Wir haben eine kritische Haltung dazu«, sagt sie. Moderator Alexander Kulpok, Journalist und Medienberater des Zoos, versucht, eine Brücke zu bauen. Ob in der Bildungseinrichtung Zoo nicht Kinder zur Tierliebe erzogen würden, will er von Krüger wissen. »Höchstens Mitleid« lernten sie über Artenschutz, entgegnet sie.

»Entweder sind sie blind oder taub, oder sie wollen nicht wissen, dass hier kein Tiger stereotyp das Gitter entlang läuft«, entgegnet Blaszkiewitz auf Vorwürfe von Tierschützern. Tierzuchtmethoden, nicht artgerechte Haltung, ein Konzept aus dem letzten Jahrhundert - Ines Krüger hat viel am Zoo auszusetzen. »Artgerecht ist eine missbrauchte Floskel«, entgegnet der Zoodirektor, auch sei es ein »Ammenmärchen«, dass der Zoo sich nicht entwickelt hätte. Und Eisbären seien ja so ein Fetisch in letzter Zeit.

Staatssekretärin Toper-Kataw gibt die Versöhnliche, zeigt stets Verständnis für beide Seiten, während Krüger weitere Vorwürfe formuliert. »Was soll so eine Veranstaltung, wenn das zum Tribunal ausartet? Vorwürfe von einer Frau, die von Tierhaltung keine Ahnung hat«, gibt Blaszkiewitz zurück. »Behandeln sie ihre Mitarbeiter anständig«, ruft jemand aus dem Publikum. »Penner«, fauchen andere Gäste den Zwischenrufer an.

»Unser Licht leuchtet weit und breit durch Europa«, ist Blaszkiewitz überzeugt. Im übrigen sei er nicht bereit, sich »solchen Blödsinn« anzuhören. So lange er Chef sei, werde aus dem Tierpark kein Disneyland gemacht. »Kann sein, dass ich nicht mehr lange Direktor bin«, schiebt er nach.

Ab Oktober muss die Zoo-AG auf ihren kaufmännischen Vorstand Gabriele Thöne verzichten. Sie scheide auf eigenen Wunsch zum 30. September aus, teilte eine Sprecherin gestern mit.

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