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Das Volk wurde aufgerüttelt

Der Sturm auf die Moncada-Kaserne war die Ouvertüre

1952 hatte sich in Kuba Fulgencio Batista, vom US-Geheimdienst unterstützt, an die Macht geputscht. Bald schon sah sich die Opposition jeder Hoffnung beraubt, den Diktator auf legale Weise wieder loszuwerden. So auch Fidel Alejandro Castro Ruiz, ein Rechtsanwalt aus der östlichen Provinz, der sich in der Hauptstadt Havanna niedergelassen hatte. Aus bürgerlich-liberalem Umfeld stammend, radikalisierte er sich angesichts der korrupten Diktatur und wartete nur noch auf eine günstige Gelegenheit, mit seinen Anhängern loszuschlagen. Am 26. Juli 1953 schien diese gekommen.

Schauplatz sollte die zweitgrößte Stadt des Landes sein, Zeitpunkt der Karneval. In Santiago im Osten der Insel wollte Castro mit rund 150 Gefolgsleuten die Moncada-Kaserne überfallen, sich der dort lagernden Waffen bemächtigen und dann über einen Rundfunksender die Revolution ausrufen. Die Aktion ging gründlich daneben. Nur von Euphorie geleitet, ohne militärische Erfahrung, drangen die meist studentischen Angreifer gerade mal bis zu den Mauern vor. Dort empfing sie ein Kugelhagel. Wer es dennoch ins Innere der Kaserne schaffte, kam nicht wieder hinaus. Im besten Fall wurden die Aufrührer vor ein Gericht gestellt. Nicht wenige Überlebende fielen samt Angehörigen der Rache der Armee zum Opfer.

Die brutale Reaktion sollte sich für die Diktatur als ebenso kontraproduktiv erweisen wie die Tollkühnheit des Überfalls als segensreich für die Aufständischen. Die Bevölkerung wurde aus ihrer Apathie gerissen, zeigte Sympathie für die Rebellen. Während des im In- und Ausland aufmerksam verfolgten Prozesses präsentierte sich Castro selbstbewusst - doch nicht als Radikaler, eher im Stil eines liberalen Caudillos mit patriotischem Duktus. Nicht von sozialem Umsturz sprach er, sondern von der »Achtung der Nation«, Reinigung aller Institutionen »von käuflichen und korrupten Funktionären« sowie von der Förderung von Industrie und Landwirtschaft.

Nicht weniger wichtig als die Unterstützung im Inland war Castro die Wahrnehmung im Ausland. Ein Meinungsumschwung der demokratischen US-Administration schien ihm seinerzeit erfolgversprechender als die Hilfe der Sowjetunion und ihrer Verbündeten, mit deren stalinistischer Ausrichtung Befreiungsbewegungen der »Dritten Welt« wenig anzufangen vermochten. Ein bürgerlicher Vertreter der Französischen Revolution oder ein liberaler südamerikanischer Unabhängigkeitskämpfer wie Simon Bolívar hätten, so die damalige Einschätzung von Hans Magnus Enzensberger, kaum anders argumentiert. In seinem Schlusswort versicherte Castro Batista und dessen Schergen, dass er »den Zorn des elenden Tyrannen nicht fürchte«. An die Adresse der Richter, denen er in seiner Rede geflissentlich Respekt signalisierte, sagte er: »Verurteilt mich. Das hat nichts zu bedeuten. Die Geschichte wird mich freisprechen.« Das Urteil lautete auf 15 Jahre Gefängnis, von denen Castro nur zwei absitzen musste - amnestiert auf Druck der Bevölkerung.

Noch einmal, im Winter 1956, sollte Fidel Castro einen vergeblichen Umsturzversuch unternehmen. Der dritte schließlich in der Neujahrsnacht 1959 führte zum Erfolg. Der Tag des Sturms auf die Moncada-Kaserne ist Nationalfeiertag auf Kuba.

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