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Castorfs Grimm und Merkels Raute

Wagner-Festspiele

Den großen Knatsch im Vorfeld hat es diesmal nicht gegeben. Gut, dass man die Besucher des Festspielhauses auf dem Grünen Hügel in Bayreuth mit einer Bauplane vor eventuell aus der Fassade fallenden Steinen schützen muss, und dass die Villa Wahnfried eine Baustelle ist, kann man als interessante Metapher für den Zustand der Kulturpolitik in Deutschland nehmen.

Aber sonst? Keine spektakuläre Enthüllung und auch keine politisch alarmierende Tätowierung auf irgendeiner Sängerbrust (wie im letzen Jahr das übertätowierte Hakenkreuz des Beinahe-Holländers Nikitin). Dass manche Auguren das Schicksal der Wagner-Schwestern auf dem Chefposten der Festspiele an die künstlerische Überzeugungskraft des neuen Nibelungenringes knüpfen wollen, das wirkt eher albern.

Ärgerlicher ist da eher, dass Regisseur Frank Castorf (Foto: dpa/ Toias Hase) und auch der Dirigent Kirill Petrenko im Vorfeld ihrer Großpremiere alle Interviews verweigert haben. Den freundlichen Petrenko schirmt wohl sein Agent ab. Und dem Regisseur ist das vermutlich einfach lästig. Von Castorf hat dann der »Spiegel« dann doch noch ein paar Nörgeleien aufgeschnappt und veröffentlicht. Auch die waren mit ihren DDR-Vergleichen eher bemüht (die Festspielleitung als Politbüro). Immerhin kam raus, dass der Volksbühnenchef offenbar ein paar Mal zu spät zu seinen eigenen Proben kam. Und sich dann darüber beschwerte, wie knapp die Zeit bemessen ist. Darüber haben sich allerdings auch seine auskunftsfreudigeren Kollegen vor ihm schon beklagt. Gescheitert ist daran allerdings nie irgendetwas.

Dass die 102. Festspiele im Jahr des 200. Geburtstages von Richard Wagner dennoch nicht mit dem neuen »Rheingold«, sondern mit der Neuproduktion des vergangenen Jahres, dem »Fliegenden Holländer«, eröffnet wurden, ist wohl ein Zugeständnis an den Show-Wert, den die Bayreuther Festspiele für die deutsche Polit- und sonstige Prominenz haben. Für die Kanzlerin als bekennende Wagnerianerin gehört Bayreuth ja schon zum Urlaub. Dass der »Holländer«-Regisseur Jan Philipp Gloger bei seiner (ansonsten sinnvoll präzisierenden) Überarbeitung die oft imitierte Rauten-Geste Angela Merkels eingebaut hat, ist gleichwohl ziemlich aufgesetzt. Sonst funktioniert sein »Holländer« als Aussteigerdrama eines Managers, der die Schnauze von der globalisierten Welt voll hat, besser als im letzten Jahr. Das Ensemble auf der Bühne war dabei in ebenso guter Form und bei seinen Möglichkeiten, wie natürlich Christian Thielemann im verdeckten Graben.

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