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Kairo beklagt »schwarzen Terror«

Ägyptens Generäle rechtfertigen Vorgehen gegen Muslimbrüder

  • Von Oliver Eberhardt, Kairo
  • Lesedauer: 2 Min.

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Ägyptens Generalstabschef Sisi hat erneut betont, das Militär habe das »Mandat des Volkes«, die Proteste für den abgesetzten Präsidenten Mursi zu beenden. Zuvor hatte die Armee Dutzende Demonstranten getötet. Die Muslimbruderschaft gibt sich entschlossener denn je.

Die Ruhe täuscht: Vor der Rabaa-al-Adawija-Moschee im Osten Kairos harren auch am Sonntag wieder Tausende Unterstützer des abgesetzten Präsidenten Mohammed Mursi aus. Um sie herum haben Hunderte Soldaten und Polizisten Stellung bezogen. Sie versuchen zu verhindern, dass ausländische Journalisten dort- hin gelangen - zu ihrem eigenen Schutz, wie es immer wieder heißt. Wahrscheinlicher ist, dass es niemand mitbekommen soll, wenn der Einsatzbefehl kommt: Verteidigungsminister und Generalstabschef Abdel Fattah al-Sisi hatte am Sonntagmorgen zum wiederholten Male gefordert, die Demonstranten sollten sich umgehend zerstreuen, und sich einmal mehr auf das »Mandat« berufen, das ihm das Volk durch eine Massendemonstration auf dem Tahrir-Platz am Freitagabend gegeben habe, gegen den »schwarzen Terror« vorzugehen, so die neue Terminologie für die Muslimbrüder.

Wie das aussehen kann, demonstrierte das Militär in der Nacht zum Samstag: Acht Stunden lang gingen Sicherheitskräfte, viele von ihnen in Zivil, gegen die Unterstützer Mursis vor, die zuvor von Soldaten eingekesselt worden waren. Mindestens 65 Menschen, möglicherweise aber mehr als 100, wurden dabei getötet. Mindestens vier der Getöteten wiesen Verletzungen an Kopf und Brust auf, die auf Scharfschützen hindeuten. Mehrere Opfer erlitten darüber hinaus Frakturen von Brustbein und Rippen - konsistent mit dem Einsatz von Wasserwerfern aus nächster Nähe. Ärzte berichten weiterhin, Dutzende Opfer wiesen Verletzungen an den Atemwegen auf, die vermuten lassen, dass das eingesetzte Tränengas in irgendeiner Weise modifiziert war.

All dies steht in starkem Kontrast zu den Äußerungen von Innenminister Mohammad Ibrahim, der die Muslimbrüder für die Gewalt verantwortlich machte. Er bestritt, dass die Armee gezielt geschossen habe. Die Wasserwerfer seien dazu da gewesen, den Menschen Abkühlung vor der Sommerhitze zu verschaffen. Äußerungen, die einmal mehr von den ägyptischen Medien unhinterfragt übernommen wurden: In ihren Berichten wird die Muslimbruderschaft als Terrororganisation dargestellt, die das Land destabilisieren wolle - was wiederum einer der Gründe dafür ist, warum die überwiegende Zahl der Mursi-Gegner für das Vorgehen Sisis ist. Die Positionen der Gegenseite sind in der Berichterstattung nicht zu finden.

Vizeübergangspräsident Mohammad el-Baradei hat derweil die Gewaltanwendung verurteilt. Er »arbeite hart und mit allen Mitteln daran, die Konfrontation auf friedlichem Wege zu beenden«, schrieb er auf Twitter. Doch diese Mittel dürften begrenzt sein. Sisi hat gezeigt, wer der wirkliche starke Mann ist.

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