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Polizei bricht Nazi-Konzert ab

In Finowfurt sangen Bands verbotene Lieder / Bündnis protestierte mit Blockade

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Die Polizei hat am Samstag ein Neonazi-Konzert in Finowfurt bei Eberswalde vorzeitig abgebrochen. Bei der von der Gemeinde Schorfheide unter Auflagen genehmigten Veranstaltung auf dem Gelände einer Privatperson kam es zu mehreren Gesetzesverstößen.

Zwischen 600 und 700 Neonazis kamen zu dem Konzert, das die rechte Gruppierung »Märkische Skinheads 88« angemeldet hatte. Es war ursprünglich auch im vorpommerschen Ort Viereck bei Pasewalk angemeldet gewesen, wurde dort aber abgesagt. Vorher war in der Werbung für die Veranstaltung als Ortsangabe »Mitteldeutschland« angegeben, wie das Onlineportal www.gegenrede.info schreibt. Die vier angekündigten Musikgruppen waren ebenfalls einschlägig. Laut Polizei kam das Publikum aus mehreren Bundesländern sowie dem deutschsprachigen Ausland.

Schon bei den Kontrollen vor dem Konzert stellte die Polizei zwei Straftaten fest und fertigte Anzeigen wegen des Mitführens eines verbotenen Einhandmessers und eines Pfeffersprays. Zudem wurde ein 43-Jähriger aufgrund eines Haftbefehles über eine Ersatzfreiheitsstrafe wegen Diebstahls festgenommen, da er die erforderlichen 500 Euro nicht bezahlen konnte. Zur Gefahrenabwehr zog die Polizei bei weiteren Anwesenden ein Messer und ein Paar Quarzhandschuhe ein.

Nach Darstellung der Polizei vernahmen Beamte schon kurz nach Konzertbeginn um 18 Uhr »eine Textpassage, die möglicherweise den Tatbestand der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen sowie der Volksverhetzung erfüllt«. Die betreffende Gruppe hatte »ein bereits indiziertes Lied einer anderen Musikgruppe in nur minimal veränderter Version gecovert«. Auch das führte zu einer Anzeige. Die fünf Bandmitglieder erhielten zudem einen Platzverweis für den Konzertbereich.

Die nächste Gruppe soll dann ein aus Gründen des Jugendschutzes indiziertes Lied gespielt haben. Auch sie erhielt einen Platzverweis, nachdem die Identität der Mitglieder festgestellt worden war.

Als die Polizei bei dem dritten Konzert feststellte, dass ein Mitglied der zweiten Band doch wieder spielte, brach sie gegen 20 Uhr die ganze Veranstaltung ab. Auch das Publikum erhielt einen Platzverweis, dem es, wie die Polizei angibt, »sukzessive Folge leistete«. Mehr als zweihundert Beamte aus den Bundesländern Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern waren im Einsatz.

Gegen das Konzert hatte das Bündnis »Finowfurt Nazifrei« eine Demonstration und ein Picknick unter dem Motto »Laut gegen rechtes Gegröle. Protest gegen die menschenfeindliche Ideologie der Neonazis« organisiert. Rund 150 Menschen folgten am Nachmittag dem Aufruf. Weil sie den Zugang zu dem Konzertgelände blockierten, verzögerten sich die Auftritte der Nazi-Bands. Die Bundesstraße 167 war vorübergehend gesperrt.

Zuletzt hatten im Mai rund 1200 Menschen erfolgreich gegen ein Konzert von Neonazis in Finowfurt Widerstand geleistet. Auch damals beendete die Polizei die Veranstaltung vorzeitig. Anlass waren auch seinerzeit verbotene Textpassagen bei zwei Bands. Es kam hinzu, dass mehrere Besucher den Hitlergruß zeigten.

Auch am Samstag haben laut einer Nachrichtenagentur Angehörige des Anti-Nazi-Bündnisses den Hitler-Gruß gesehen. Am Sonntagnachmittag waren aber zur Klärung dieser Frage weder der zuständige Polizeisprecher noch das Bündnis zu erreichen.

(Mit dpa und epd)

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