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Karl Mays Maxime

Flattersatz

Neulich traten 25 tapfere Vollblutpolitiker des Potsdamer Landtags zum Blutspenden an. So was kommt nicht allzu oft vor; vielleicht ist wegen dieser Zurückhaltung das Image des deutschen Politikers so stark gesunken, dass es kaum noch besser ist als der Ruf von Immo-Haien, Gebrauchtwagenhändlern und Uli Hoeneß, der dem Uli-Hoeneß-Cup seinen Namen schenkte. Doch es könnte auch sein, dass dem Wähler politische Blutspenden egal sind. Vielleicht erwartet er, dass seine Volksvertreter sich in anderer Weise beliebt machen. Das glückt ihnen in diesen Vorwahlzeiten ganz prima.

Auf Deibel komm raus wird geschummelt, geschwindelt und, fürchte ich, sogar geflunkert. Mit Unwahrheiten hält sich keiner lange auf. Es müssen schon faustdicke Lügen sein. Obwohl Beweise fehlen, behauptet die SPD-Spitze, ausgerechnet sie wäre die Opposition! Horst Seehofer (CSU) sieht am Horizont, was du nicht siehst: die ersehnte Vollbeschäftigung im Freistaat Bayern. Die »Ministerin« Kristina Schröder hat zum 1. August einen Überschuss von 30 000 Kitaplätzen errechnen lassen. Und die Kanzlerin wird nie wieder Leihstimmen an die Leihstimmenpartei FDP verleihen. Sie verspricht stattdessen Wahlspeck ohne Ende. Aber nicht mal Parteifreunde können ihr glauben, auch wenn sie noch so gerne möchten. Kurt Lauk, Chef des CDU-Wirtschaftsrats, erschüttert die Glaubwürdigkeit der Kanzlerin in aller Öffentlichkeit mit der Bemerkung, verlogene Wahlversprechen machten die Parteien doch bloß, »um gewählt zu werden.«

Dass eine so extrem ahnungslose Kanzlerin wie diese möglicherweise wieder gewählt wird, grenzt an ein Wunder. Sie weiß angeblich Null über die Horch- und Späh-Schnüffeleien der amerikanischen Freunde, obwohl sich Stuttgart-Vaihingen, Darmstadt-Griesheim und Wiesbaden mit ansehnlichen NSA-Residenzen schmücken, die selbst ein Blinder nicht übersehen kann. Auch sie kennt - wie Konrad Adenauer - drei Aggregatzustände von Einlassungen: die einfache, die reine und die lautere Wahrheit. Also haben wir die freie Auswahl, wenn sie standhaft beteuert, sie habe über die Prism-Schnüffelei erst aus der Zeitung erfahren. Ronald Pofalla weiß noch weniger als Frau Merkel. Klar, er ist ja bloß der Geheimdienstkoordinator der Bundesregierung. Deshalb entsandte die Kanzlerin lieber ihren Innenminister Friedrich, der noch weniger weiß als sie und Pofalla zusammen, zu einem Briefing unter Freunden über den Großen Teich. Bei der National Security Agency in Washington erfuhr Friedrich zu seiner Überraschung, es gebe nicht bloß ein Prism-Spionageprogramm, sondern mindestens deren zwei, wenn nicht sogar drei. Lieb’ Vaterland, magst ruhig sein …

Außer Antworten, die nichts beantworten, liefert Frau Dr. Merkel am laufenden Band Erklärungen, die nichts erklären. Bereitwillig folgt sie dem Leitspruch Karl Mays: Sag niemals die Wahrheit, solange dir was Interessanteres einfällt. Daran werden Komiker wie Steinbrück, der Problempeer, nichts ändern. Der wäre auch gern ein veritabler Kanzlerkandidat, doch spricht er einfach zu missgünstig über die Kanzlerin. Er wirft ihr sogar vor, sie habe ihren Amtseid gebrochen. Das ist eine infame Verleumdung! Dennoch schnürt die mächtigste Frau der Welt ohne Rast und ohne Ruh’ ihre Pakete - Sparpakete für uns und Rettungspakete für die Banken, ganz wie der Amtseid es befiehlt. Dieser lautet, wenn man richtig betont: »Ich schwöre, Schaden im deutschen Volke anzurichten. So wahr mir Karel Gott helfe.«

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