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Therapie auf dem Prüfstand

Über Vor- und Nachteile medikamentöser Behandlung von mildem Bluthochdruck

Menschen, die einen leicht erhöhten Blutdruck haben, werden möglicherweise unnötig behandelt. Das ist das Ergebnis einer Studie, die Wissenschaftler im Auftrag der unabhängigen »Cochrane Collaboration« durchgeführt haben.

Etwa 55 Prozent der Menschen in Deutschland leiden an arterieller Hypertonie, kurz Bluthochdruck genannt. Bei der überwiegenden Zahl der Betroffenen ist der Blutdruck allerdings nur geringfügig erhöht (Schweregrad 1). Man spricht daher von einer milden Hypertonie, die dadurch gekennzeichnet ist, dass bei der Blutdruckmessung der systolische Wert zwischen 140 und 159 mm Hg und der diastolische Wert zwischen 90 und 99 mm Hg liegt.

Viele Patienten mit milder Hypertonie werden in Deutschland mit blutdrucksenkenden Medikamenten behandelt, um zu verhindern, dass es zu Gefäßschäden und damit zu Herz-Kreislauferkrankungen kommt. Denn bei Menschen, die bereits einen Herzinfarkt erlitten haben, trägt die Senkung des Blutdrucks nachweislich dazu bei, einem weiteren Infarkt vorzubeugen.

Offenbar gehen viele Mediziner davon aus, dass eine medikamentöse Behandlung, die bei Herzkranken sinnvoll ist, auch bei herzgesunden Menschen positive Wirkungen zeigt. Ob diese Annahme zutrifft, hat ein Forscherteam um Diana Diao von der University of British Columbia im kanadischen Vancouver unlängst untersucht. Auftraggeber war die »Cochrane Collaboration«, eine weltweit vernetzte Gruppe von Wissenschaftlern, die unter anderem systematische Übersichtsarbeiten zur Bewertung medizinischer Therapien erstellt, ohne dafür Geld von der Pharmaindustrie zu erhalten.

Diao und ihre Kollegen werteten vier kontrollierte Studien aus, an denen rund 8900 Männer und Frauen teilnahmen, die an milder Hypertonie litten, ohne herzkrank zu sein. Alle wurden vier bis fünf Jahre mit blutdrucksenkenden Mitteln (Antihypertonika) behandelt. Dennoch fiel das Ergebnis ernüchternd aus, so ernüchternd, dass es in der medizinischen Literatur bisher kaum Erwähnung findet: Durch die Behandlung mit Antihypertonika ließ sich weder die Zahl der Herzinfarkte und Schlaganfälle, noch die Mortalität (Sterberate) im Vergleich zu einer Placebogruppe reduzieren. Da zudem knapp zehn Prozent der Patienten in der Medikamentengruppe die Behandlung auf Grund von Nebenwirkungen abbrachen, sei fraglich, so Diao, ob der Nutzen von Antihypertonika die Schäden aufwiege, die bei deren langfristiger Anwendung möglicherweise auftreten.

Gleichwohl liegt es den Cochrane-Forschern fern, die Risiken einer milden Hypertonie zu bagatellisieren, zumal auf eine geringfügige Erhöhung des Blutdrucks im Laufe der Zeit ein deutlich stärkerer Anstieg folgen kann. Statt jedoch sofort Medikamente zu verordnen, plädieren sie dafür, es vorab mit alternativen Maßnahmen zu versuchen, bei regelmäßiger Blutdruckkontrolle, versteht sich.

Dazu gehören etwa sportliche Aktivitäten, denn einer der größten Risikofaktoren für Hypertonie ist Übergewicht. Außerdem wird Menschen mit Bluthochdruck empfohlen, auf Alkohol weitgehend und auf Nikotin ganz zu verzichten. Alkohol verursacht eine Erhöhung der Herzfrequenz, die zu einer deutlichen Blutdrucksteigerung führen kann, während Nikotin eine Gefäßverengung bewirkt, die den Blutdruck ebenfalls ansteigen lässt.

Nicht minder wichtig ist eine ausgewogene Ernährung, die vor allem salzarm sein sollte. Sechs Gramm Kochsalz pro Tag - mehr zu verzehren, halten Mediziner für bedenklich. Da besonders Konserven und Fertiggerichte viel Kochsalz enthalten, tun Menschen mit Bluthochdruck gut daran, solche Produkte ebenso zu meiden wie geräucherte Fleisch- und Fischerzeugnisse.

Oft ist hoher Blutdruck durch Stress bedingt, wobei dauerhafter Stress leicht zu einem chronisch erhöhten Blutdruck führen kann. Um Stress abzubauen, genügt es häufig, mehrmals am Tag eine Entspannungspause einzulegen oder ein paar Yoga-Übungen zu machen. Das entlastet nicht nur das Herz-Kreislaufsystem, es bringt uns auch ein Stück verloren gegangene Lebensqualität zurück.

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