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»Indigenisierung« mit Nebenwirkungen

Präsident Robert Mugabe will ausländische Unternehmen unter Kontrolle bringen und riskiert damit neue Verwerfungen

Simbabwes Wirtschaft war einst und auch noch lange nach der 1980 errungenen Unabhängigkeit ein Leuchtturm auf dem afrikanischen Kontinent. Diese Zeiten sind längst vorbei.

Mugabes Zauberformel heißt »Indigenisierung«. Mit ihr soll der andauernde wirtschaftliche Niedergang Simbabwes gestoppt werden. Wie ab der Jahrtausendwende 4500 weiße Farmer vertrieben und enteignet wurden, sollen nun ausländische Unternehmen die Mehrheiten an schwarze und farbige Simbabwer abtreten. Doch selbst in der Regierung der Nationalen Einheit ist das Vorhaben umstritten. »Damit schießen wir uns selbst in den Fuß - mit einer Finanz-Bazooka«, schrieb Zentralbankgouverneur Gideon Gono.

Bis 1997 florierte das Land unter Präsident Robert Mugabe und seiner ZANU-PF-Partei. Die Pfeiler: Landwirtschaft, Bergbau, Industrie, Tourismus. Seitdem ging es abwärts, beschleunigt durch die Landreform von 2000, bei der Großfarmen mit einer Durchschnittsfläche von 6000 Hektar umverteilt wurden. Im Zuge dessen wurden etwa 250 000 Kleinbauern angesiedelt, vor allem Polizisten, Soldaten und Beamte, aber auch Landlose. Die Elite inklusive der Mugabe-Familie eignete sich - oft mehrere - Einzelfarmen an.

Vielen der neuen Kleinfarmern fehlt es an Know-how und Geld für Saatgut, Pestizid, Dünger und Ausrüstung wie Traktoren. Die einzige Erfolgsstory in der Agrarwirtschaft ist das Goldene Blatt - Tabak -, das einst viele Weiße bereicherte und das jetzt auch schwarzen Kleinbauern ein Auskommen beschert.

Aufgrund der engen Verflechtung von Landwirtschaft, Industrie und Finanzwesen folgte der Landreform ein verlorenes Jahrzehnt mit Rezession und Deindustrialisierung. Die Arbeitslosigkeit schnellte auf Rekordhöhen von um die 70 Prozent. Zwischen 2000 und 2009 sank das Bruttosozialprodukt pro Kopf um 45 Prozent. Hinzu kamen der Verfall der Infrastruktur sowie hohe Korruption.

Simbabwe wandelte sich vom Agrarexporteur zum Nahrungsmittelimporteur. Vor der Landreform produzierte Simbabwe 3,7 Millionen Tonnen Agrarprodukte (Plantagenzucker nicht eingeschlossen), 2012 schätzte Finanzminister Tendai Biti (MDC-Tsvangirai) die Produktion auf weniger als die Hälfte. Über eine Million Menschen waren in den vergangenen Jahren auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. 63 Prozent der Bevölkerung leben in Armut, davon 16 Prozent in totaler Armut.

Dabei besitzt das Land großes Potenzial und Ressourcen, eine gut ausgebildete Bevölkerung, Tourismus-Attraktionen, fruchtbares Agrarland und etwa 40 verschiedene Bodenschätze, einschließend Asbest, Coltan, Chrom, Diamanten und Platin. 2006 wurden enorme Diamantenvorkommen entdeckt, 30 000 informelle Schürfer, Händler und Schmuggler strömten in die Provinz Manicaland im Osten. Allesamt wurden ebenso wie die Dorfbewohner brutal vertrieben, das Gebiet von der ZANU-PF-Elite übernommen. 2012 wurden Diamanten im Wert von 234 Millionen US-Dollar exportiert, der Gewinn floss in die Taschen der Elite, nicht in die Staatskasse. Dabei ist das Land stark verschuldet und weist ein hohes Handelsbilanzdefizit auf. Simbabwes Wirtschaft wird für jede künftige Regierung eine Herausforderung.

Ruth Weiss ist Schriftstellerin und Journalistin und lebte viele Jahre in Südafrika und Simbabwe.

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