Machtspiele

Dogan Akhanli

In Istanbul ist am Mittwoch der Revisionsprozess gegen den türkischstämmigen Autor Dogan Akhanli eröffnet worden. Das Gericht habe einen Internationalen Haftbefehl gegen ihn verhängt, berichtete Akhanli in Köln der Nachrichtenagentur dpa. Er habe das von Freunden in der Türkei erfahren. Der nächste Prozesstag sei am 4. Oktober.

Akhanli war 2011 von einem Gericht in der Türkei vom Vorwurf des Raubes und Totschlags freigesprochen worden. Er lebt seit seiner Flucht aus der Türkei im Jahr 1991 in Deutschland und ist deutscher Staatsbürger.

Die Wiedereröffnung des Prozesses mache ihn sprachlos, sagte Akhanli. »Ich habe gehofft, dass sie mit diesem Quatsch aufhören. Ich fühle mich wie ein Fußball, der von den Machtgruppen in der Türkei hin- und hergeschossen wird.« Welche Funktion seine neuerliche Verfolgung für einzelne Machtgruppen habe, welche Interessen dahinterstünden, könne er nicht sagen: »Das überfordert mich.«

Vor Beginn des Revisionsprozesses gegen den türkischstämmigen Kölner Autor Dogan Akhanli in Istanbul hat der Journalist Günter Wallraff Unterstützung der Bundesregierung gefordert. »Hier wäre unser Außenminister (Guido Westerwelle) gefordert, sich für ihn einzusetzen und zwar auch öffentlich«, sagte Wallraff am Dienstagabend im Deutschlandradio Kultur. Immerhin sei Akhanli deutscher Staatsbürger. Die Aufhebung des Freispruchs, mit dem das erste Verfahren gegen Akhanli 2011 geendet hatte, sei »offensichtlich« politisch motiviert.

Bei dem Prozess gehe es darum, einen bekannten Autor, der vor allem die Armenierfrage in seinen Romanen eindringlich behandle und politisch unliebsam sei, mundtot zu machen, sagte Wallraff. Wallraff gehört zu einer Delegation, die den Prozess beobachten wollte. dpa

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