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Anschein von Weltläufigkeit

  • Von Alexander U. Martens
  • Lesedauer: 3 Min.

Natürlich lebt eine Sprache, und das heißt auch, sie verändert sich. Wir reden (und vor allem schreiben nach der noch immer umstrittenen Rechtschreibreform von 1998) anders als früher. Und eine Sprache, die lebt, wird immer angereichert durch Wörter, die sie aus anderen Sprachen entlehnt. Das kennen wir seit dem Ende des 19. Jahrhunderts aus dem Französischen, davor waren es griechische und lateinische Begriffe, die in der deutschen Sprache heimisch wurden - dem Widerstand unserer Sprachpuristen zum Trotz, die nur in Frankreich noch nicht auf verlorenem Posten kämpfen, weil die dortige Regierung über die Bewahrung und Pflege der französischen Sprache als höchstem Kulturgut mit Argusaugen wacht.

Im Deutschen sind nach dem Kriegsende 1945 vor allem Anglizismen, genauer: Amerikanismen heimisch geworden. Ein 1989 erschienenes Fischer-Taschenbuch von Alfred Probst zeichnet unter dem Titel »Amideutsch. Ein kritisch-polemisches Wörterbuch der anglodeutschen Sprache« diese Entwicklung nach und listet von »accord« bis »yuppie« alle die sinnvollen wie auch die törichten Vokabeln auf, die seither in unsere Umgangssprache Einzug gehalten haben.

Es ist schon erstaunlich, was sich da inzwischen wie selbstverständlich eingenistet hat, und man kann sich durchaus die Frage stellen: Warum eigentlich? Ist es die bloße Denkfaulheit oder fehlt es unserer Sprache, wie der Autor und Übersetzer Alfred Probst meint, »an innerer Kraft zu wirklich Neuem, ist die Sprache der Politik und der Medien weitgehend impotent?« Oder, was wohl als Erklärung häufig zutrifft, ist dies eine Erscheinung von Bedeutungshuberei, der Versuch, sich solcherart den Anschein von Weltläufigkeit zu geben?

»Das macht Sinn« ist ein schönes Beispiel für die Denkfaulheit, mit der bei uns angelsächsische Redewendungen einfach wörtlich übernommen werden. »It makes sense« bedeutet aber »Es ergibt einen Sinn«. Oder der inflationäre Gebrauch des Wortes »realisieren«: Im Deutschen bedeutet dies im Wortsinn nur »verwirklichen«, während »to realize« für »verstehen, begreifen, erkennen« steht.

Weltläufiges Imponiergehabe dagegen kommt zum Ausdruck, wenn statt vom Hausmeister vom »Facility Manager« die Rede ist oder der Betreuer wichtiger Kunden »Key Account Manager« genannt wird. Da ist es für die Klofrau zum »WC Manager« nicht mehr weit. Und eine besondere Spielart unserer Vorliebe für das Angelsächsische ist unsere Erfindungsgabe für Wörter, die es in der Originalsprache gar nicht gibt - zum Beispiel Handy, Base-Cap oder Bridger als Begriff für Jugendliche auf der Schwelle zum Erwachsenwerden.

Man muss kein Sprachpurist sein, um über diese Entwicklung unserer so ausdrucksstarken und nuancenreichen Muttersprache Bedauern zu empfinden, denn sie wird nicht nur ärmer durch einen solch inflatorischen Gebrauch von Angli- und Amerikanismen. Sie verschludert dadurch auch zusehends. Dazu leisten nicht zuletzt Werbung und Medien einen erheblichen Beitrag. Mit anderen Worten: auch wir Journalisten. Wir sollten also Besserung geloben.

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