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»Nicht versicherbar«

In Passau werden die Flut-Folgen langsam überwunden - auch die Tankstelle Lang soll wieder öffnen

  • Von Steffi Schweizer
  • Lesedauer: 3 Min.

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Am 3. Juni wurde die Tankstelle von Manuel Lang im bayerischen Passau überflutet. Der Schock sitzt tief, zumal die Tankstelle als »nicht versicherbar« eingestuft ist. Dennoch laufen die Vorbereitungen für den Neuanfang bereits auf Hochtouren.

Die Katastrophe von Passau-Haibach dauerte keine 24 Stunden. Die Flutwelle kam, stieg und zog weiter. Wasser, Schlamm und 3000 Liter Heizöl zerstörten Tank- und Waschanlagen der Tankstelle Lang, die Elektronik, Shop, Werkstatt, Teile des Wohnhauses - ein ganzes Lebenswerk. Die sechsköpfige Familie des 33-jährigen Eigentümers ist von dem Schaden, der eine Million Euro beträgt, unterschiedlich stark betroffen. Den Firmengründer und Senior Ludwig Putz (80) hat es wohl am meisten mitgenommen. Doch sein Enkel Manuel Lang sagt: »Was passiert ist, ist passiert. Wir müssen nach vorn schauen und fangen wieder klein an.«

Das Hochwasser aus dem Jahr 1954 mit einem Pegel von 12,20 Meter galt den Langs immer als Marke. Schlimmer würde es nicht kommen - dachten sie. Firmengründer Putz hatte das 75 Meter von der Donau entfernt liegende Grundstück oberhalb der Straße erst nach der Flut von 1954 erworben, das Land noch zusätzlich um einen halben Meter aufgeschüttet und 1962 eine Tankstelle eröffnet. 50 Jahre lang ging die Rechnung auf - bis zum 3. Juni 2013, einem Montag.

»Noch am Sonntagnachmittag wurde uns gesagt, der Pegel erreiche maximal 12 Meter,« erzählt Manuel Lang. »Bei 12.20 hätte auf der Straße leicht das Wasser gestanden. Ich lieh mir für den Keller eine Pumpe, hab noch gepumpt. Doch dann wurde der Strom abgestellt.« Am Montag um 10 Uhr wurde Familie Lang mit dem achtjährigen Sohn, der dreijährigen Tochter und den Großeltern evakuiert. In der Eile hatten die beiden Achtzigjährigen ihre Medikamente vergessen.

»Ich musste noch einmal zurück«, erzählt Manuel Lang. Er nahm ein Boot, doch an der Zufahrt zu den Zapfsäulen hatte sich eine gefährliche Strömung entwickelt. Aber es ging alles glatt. Manuel Lang besaß so starke Nerven, dass er sogar noch Fotos machte. Eine Nacht lang kam seine Familie bei Bekannten unter. Am nächsten Morgen um 7 Uhr stand er wieder auf seinem Grundstück. Das Wasser war nun weg. »Scheiße«, habe er nur gedacht, sagt er. Und als sein Sohn Moritz ihn aufmuntern wollte, losgeheult. Am 5. Juli beschloss die Bundesregierung eine Hochwasserhilfe von acht Milliarden Euro. Betriebe wie der von Manuel Lang, die in ihrer Existenz gefährdet sind, erhalten 200 000 Euro. Weitere 10 000 Euro spendeten die Leser der Regionalzeitung.

Und der »Rest«? »Wir liegen in Zone 4 - nicht versicherbar«, sagt der Eigentümer. Seine Tankstelle ist nicht nur 75 Meter von der Donau entfernt, sondern auch nur 300 Meter von der Grenze zum Billig-Benzinland Österreich. Zwar sind alle zehn Tankstellen in Passau mehr oder weniger vom Tanktourismus betroffen, doch nur die der Langs ist überflutet worden. Dennoch dachten die Langs nicht ans Aufgeben. Sie waren überwältigt von der spontanen Hilfe durch Nachbarn, Freunde, Stammkunden, Studenten und viele Fremde.

Die Werkstatt, das Rückgrat des Unternehmens, arbeitet bereits wieder. Zapfsäulen, Portalanlage und Shopeinrichtung sind bestellt. Anfang September soll Eröffnung sein. Manuel Lang sagt: »Wir machen weiter!«

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