Das Kali-Kartell in der Klemme

Der deutsche Rohstoffriese K+S ist vom Abstieg bedroht

  • Von Hermannus Pfeiffer
  • Lesedauer: 3 Min.
Der Kali-Konzern und bisherige Börsenliebling K+S befindet sich derzeit in schwerem Fahrwasser.

Deutscher Weltmarktführer im Rohstoffgeschäft, DAX-Börsenstar, Umweltsünder - und doch kennen nur wenige den Kasseler Kali-Konzern K+S. Nach einem dramatischen Kurssturz muss sich der Düngemittelhersteller auf den Abstieg aus der Börsenbundesliga einstellen. Auch das Kerngeschäft läuft nicht mehr rund, seit ein russischer Konkurrent das Ende des globalen Kali-Kartells angekündigt hat. Obendrein könnte ein Rechtsstreit verhindern, dass K+S über eine Pipeline die Rückstände seiner Produktion in die Werra pumpt.

K+S-Chef Norbert Steiner müht sich, die Stimmung zu beruhigen. In einem Brief wandte er sich vergangene Woche an die Mitarbeiter: Man habe doch schon öfter Phasen der Unsicherheit erlebt und sie gemeinsam gemeistert. »Warum soll das jetzt anders sein?«

In der Tat ist die Industrie ein ewiges Auf und Ab gewöhnt, seit im 19. Jahrhundert der Kali-Dünger entdeckt wurde. Lange hielt Deutschland das Weltmonopol. Goldgräberstimmung. Vielerorts wurden in Norddeutschland und im Werragebiet des heutigen hessisch-thüringischen Grenzgebiets Schächte abgeteuft. Mit Folgen: Der Regen spült aus den bergartigen Abraumhalden (»Monte Kali«) eine salzhaltige Lösung. Der einzige Überlebende der deutschen Kali-Wirtschaft, K+S, kippt die Lauge in die Werra, die bald darauf zur Weser wird. Statt im Lkw soll die Salzlauge zukünftig durch eine über 100 Kilometer lange Pipeline in den Süßwasserfluss fließen. Doch das Verwaltungsgericht Kassel machte Steiner einen Strich durch die Rechnung: Mitte Juli untersagte es den Start der Pipeline, bis über die Umweltverträglichkeit juristisch entschieden sei.

Dann folgte vergangenen Mittwoch der Absturz an der Börse. Am Tag zuvor waren die Analysten noch voll des Lobes für den Börsenstar gewesen. In die Klemme brachte K+S eine Telefonkonferenz von Wladislaw Baumgertner, Vorstandsvorsitzender der russischen Uralkali, die zusammen mit dem belarussischen Anbieter BPS etwa 40 Prozent des Weltmarktes beliefert. Zusammen mit K+S und der nordamerikanischen Vertriebsorganisation Canpotex bilden sie ein Kartell gegen die staatliche Einkaufsmacht der wichtigsten Abnehmer China und Indien. Baumgertner will zukünftig produzieren, was seine Gruben im Billigtagebau hergeben. Ein Preisverfall droht.

Ob das Kartell 2014 auseinander bricht, bleibt abzuwarten. Analysten spekulieren, dass die Offensive Baumgertners große Bergbaukonzerne wie die australisch-britische BHP Billiton davon abhalten soll, in das lukrative Kali-Geschäft einzusteigen. Das Kartell hatte die Preise zeitweilig bis auf 1000 Dollar pro Tonne hochgetrieben. Weit mehr als die Produktionskosten von angeblich 290 Dollar, die K+S in seinen teuren Untertagegruben aufbringen muss. K+S erzielte 2012 bei einem Umsatz von »nur« 4 Milliarden Euro einen traumhaften Reingewinn von 540 Millionen Euro.

Das Kali-Kartell der großen Drei funktionierte lange Zeit offensichtlich reibungslos. »Keiner machte den Preis kaputt - man kürzte dann eher die Absatzmengen«, beobachtete ein Branchenkenner. Wie das Kartell im Detail funktioniert, bleibt aber das Geheimnis der Manager. Bei K+S will man davon sowieso nichts wissen. Man sei ein kleinerer Produzent, der nicht »in dem Umfang« an der Preisgestaltung beteiligt sei.

Dass selbst das vermeintliche Kartell nicht allmächtig ist, belegt der Fall des Preises schon vor den aktuellen Turbulenzen auf - immer noch sehr auskömmliche - 400 Dollar. »Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Akteure sich auf Dauer den Preis kaputt machen werden«, meint Thorsten Strauß, Analyst der NordLB, der von einer vorübergehenden Delle spricht. Eine wachsende Weltbevölkerung, die steigende Nachfrage nach Nahrungsmitteln und der erhöhte Fleischkonsum in den Schwellenländern werden den Absatz des Düngers weiter beschleunigen.

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