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Beherrschen und beherrscht werden

In Jena prägen derzeit die Skulpturen des Künstlers Trak Wendisch den Botanischen Garten

Skulpturen des Berliner Künstlers Trak Wendisch sind noch bis zum 17. August im Botanischen Garten in Jena (Thüringen) zu sehen. Sie schaffen eigene Räume, die man sonst nicht so erleben kann.

Zugegeben - der Botanische Garten in Jena ist um diese Jahreszeit schon um seiner selbst willen einen Besuch wert - seltene Pflanzen aus exotischen Regionen blühen und duften allerorten. Doch die Figuren, die derzeit auf dem gesamten Gelände zu finden sind, schaffen eigene Räume, die man sonst nicht so erleben kann. In diesen Räumen spielen vor großer Naturkulisse die Dramen der menschlichen Existenz.

Am Eingang in einen alpinen Steingarten steht ein ausgemergelter Mann, der seine übergroßen Hände vor seiner Scham kreuzt. Auf den Schultern trägt er eine kräftige Gestalt, die sich erst von der Seite her als weiblich ausmachen lässt. Ihre Beine erscheinen wie die Flügel eines dunklen Vogels, einer Harpyie, die sich auf dem wehrlosen männlichen Körper niedergelassen hat. Sie verschließt ihm die Augen, macht ihn blind unter der Last.

Bei den expressiv überlängten Gestalten des Berliner Künstlers Trak Wendisch, deren Oberfläche die Spuren der Kettensäge tragen, geht es um Grundfragen des Daseins, um Beherrschen und beherrscht werden, um Schicksal und Ausgeliefertsein. Wie Heilige aus dem Bildprogramm gotischer Kathedralen sprechen sie zu uns und offenbaren ihr inneres Befinden. Seit sich der Künstler zu Beginn der 1980er Jahre der menschlichen Figur zuwandte, ist sie sein Thema, zu dem er immer wieder Neues zu sagen hat. Zwar gehört der »Frauenträger« zu einer Serie, die vor 20 Jahren entstand. Die Brisanz ist jedoch geblieben.

Der Jenaer Kunstverein als Veranstalter der Personalschau hat den Ort mit Bedacht gewählt. In keiner Ausstellungshalle wären die Arbeiten so präsent gewesen wie hier. Und Trak Wendisch hat eine ausgesprochene Liebesbeziehung zu Botanischen Gärten, die er auf der ganzen Welt besucht. Ihn beeindrucken auch die naturforschenden Gesellschaften des frühen 19. Jahrhunderts und natürlich Goethe, der sich mit Botanik beschäftigt hat. In Jena ist der Künstler an der richtigen Adresse. Das Inspektorhaus, in dem Goethe zur Metamorphose der Pflanzen forschte, liegt am oberen Ende des Gartens. Auf einer Terrasse daneben hat Wendisch die Bronzeplastik »Paar« aufgestellt. »Obwohl sie klein ist, wird sie hier zu einer ganz wichtigen Arbeit. Die Treppen von unten und die Symmetrie des ganzen Raumes schaffen ein außergewöhnliches Erlebnis«, schwärmt der Künstler. Die Besucher haben es nicht schwer, sich auf die Arbeit einzulassen. Bei Eintritt in den »Hortus Botanicus« bleibt die lärmende Stadt draußen. Die grüne Insel ist ein Ort der Kontemplation.

Nicht nur der Raum, auch das Licht spielt bei der Präsentation zu jeder Tageszeit eine besondere Rolle. In der Mittagssonne irrlichtern helle und dunkle Flecken auf dem »Armkreuzer« und versetzen ihn dadurch zusätzlich in Bewegung. Die Figur, die die Arme in Überlänge nach vorn streckt, aber gleichzeitig - wie von einer unsichtbaren Kraft gezogen - nach hinten zurückweicht und sich in Deckung begibt, sucht nach Balance. Der Kampf ist nicht zu Ende. Er, eindeutig männlich definiert, ringt mit sich selbst und einem unsichtbaren Gegner, den er nur schwer verorten kann.

Ein paar Schritte weiter bemerkt der Besucher eine filigrane, in sich gekehrte Frauenfigur, die der Künstler auf einen hohen Sockel gestellt hat. Von da aus schaut die »Schmale Vorsichtige« über den Zaun und hinüber zur Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek, stellt den Kontakt zur Außenwelt her.

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