Weggebissen

Bernhard Blaszkiewitz muss als Direktor von Zoo- und Tierpark aufhören

Tierparkdirektoren haben es in Berlin nicht leicht. Wurde schon der legendäre Heinrich Dathe 1990 sehr unfreundlich aus dem Amt entfernt, erwischt es jetzt seinen Nachfolger, allerdings aus ganz anderen Gründen.

Bernhard Blaszkiewitz, seit 2007 auch Direktor des Zoos, stand seit Jahren im Kreuzfeuer der Kritik. Tierschützer warfen ihm vor, Tiere zu »sammeln«, sie übermäßig Nachwuchs produzieren zu lassen und nichts für ihre Beschäftigung zu tun. Vor einem Parlamentsausschuss musste er zugeben, vier streunende Katzen durch Genickbruch getötet zu haben, was er »artgerecht« nannte.

Aber auch gegenüber Menschen benahm er sich zuweilen daneben. So kennzeichnete er Mitarbeiterinnen in einem Schreiben mit einer 0,1 - was in der Zoologie für »Weibchen« steht. Und vielen Angestellten hätte der bekennende Katholik am liebsten das Weihnachtsgeld vorenthalten, weil sie ganz und gar »unchristlich« seien.

Doch das alles hätte vermutlich nicht zu seiner artgerechten Entsorgung gereicht - sein Mitte nächsten Jahres auslaufender Vertrag wird nicht verlängert - wenn Blaszkiewitz nicht so ein Zoochef der »alten Schule« wäre, wie ihm seine Gegner vorwerfen. Und als solcher stand er Modernisierungsplänen, wie sie in letzter Zeit besonders für den Tierpark geschmiedet werden, eher reserviert gegenüber. Von »Erlebniswelt Galapagos« bis Riesenrad und Seilbahn reichen die Vorschläge, mit denen der Tierpark - der fast fünfmal so groß ist wie der Zoo, aber nur ein Drittel der Besucher hat und im Jahr gut sechs Millionen Euro Zuschuss braucht - attraktiver gemacht werden soll.

Der Sinn von Zoos sei es nicht, »die Spaßgesellschaft zu bedienen«, hielt Blaszkiewitz seinen Kritikern entgegen, die Tiere dürften nicht in den Hintergrund gedrängt werden. Jetzt wird dieses Schicksal dem 59-jährigen Nashornfreund mit der Statur eines Dickhäuters, der schon als Kind Zoodirektor werden wollte, selbst wiederfahren. »Der Weg ist frei, um Berliner Zoos in attraktive Erlebnis-Zoos umzugestalten«, jubilierte seine schärfste Kritikerin, die Grünen-Tierschutzexpertin Claudia Hämmerling.

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