Mainz klappt Bahnsteige hoch

In der Rhein-Main-Region fallen immer mehr Züge aus

  • Von Hans-Gerd Öfinger, Mainz
  • Lesedauer: 2 Min.
Wieder einmal muss die Deutsche Bahn einen Offenbarungseid leisten. Auf dem Hauptbahnhof der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt Mainz herrscht Chaos statt Verkehr. Grund ist Personalmangel am Stellwerk. Es wird länger dauern, heißt es.

Die Züge des Nah- und Fernverkehrs können den Mainzer Hauptbahnhof, einen der wichtigsten deutschen Knotenbahnhöfe, wegen akuten Personalmangels im örtlichen Stellwerk weiterhin nur eingeschränkt anfahren. Dies teilte Frank Sennhenn, Chef der Netzsparte der Deutschen Bahn (DB), am Donnerstag in Mainz mit. Mindestens bis Ende August müssen sich Reisende im Rhein-Main-Gebiet auf Behinderungen im Bahnbetrieb einstellen. Ein geändertes Betriebsprogramm sieht sogar die zusätzliche Streichung und Ausdünnung von Taktverbindungen vor. Wie es im September weitergeht, vermag die Bahn nicht vorauszusagen. »Ja, es ist mir peinlich«, so Sennhenn.

Der Bahnbetrieb ist seit einer Woche stark eingeschränkt. Die DB spricht von einem »nicht vorhersehbaren hohen Krankenstand in der Urlaubszeit«. Das Stellwerk in der Landeshauptstadt könne »nur eingeschränkt« besetzt werden. Die Folge sind ein höheres Zugaufkommen auf anderen Strecken und Verspätungen.

Die Vorgänge haben eine Diskussion über die vom »Rotstift« geprägte Personalpolitik der Bahn ausgelöst. Nach Ansicht der Eisenbahnergewerkschaft EVG fehlen bundesweit mindestens 1000 Fahrdienstleiter. So viele neue Kollegen seien allein nötig, um die rund eine Million Überstunden abzubauen, die sich in den Jahren angesammelt hätten, sagte EVG-Sprecher Uwe Reitz.

Viele Züge werden nun auch in den kommenden Wochen das linksrheinisch gelegene Mainz umfahren, auf die rechtsrheinische Strecke Richtung Koblenz umgeleitet und ersatzweise an anderen Stationen halten. In der Regel fahren täglich rund 100 Fernverkehrszüge den Mainzer Hauptbahnhof an, der vor zehn Jahren umgebaut worden war und täglich von rund 60 000 Reisenden genutzt wird. Nach Ende der Schulferien Mitte August sind der Einsatz längerer Züge und teilweise auch zusätzliche Busverbindungen geplant, um den stärkeren Andrang im Schüler- und Berufsverkehr teilweise aufzufangen.

Der vielfach geforderte Einsatz von Personal aus anderen Stellwerken könne keine kurzfristige Linderung bringen, erklärte Sennhenn. »Auch die Einweisung ausgebildeter Fahrdienstleiter würde hier drei Monate dauern.« Ohne exakte Kenntnisse örtlicher Gegebenheiten sei ein sicherer Verkehr nicht zu gewährleisten.

Der Fahrgastverband Pro Bahn forderte Entschädigungen für Pendler. »Das kann man als Fahrgast nicht einfach hinnehmen«, erklärte Sprecher Gerd Aschoff. Die Bahn will Tickets und Reservierungen auf Wunsch kostenfrei erstatten, zuggebundene Fahrkarten könnten umgeschrieben werden. SPD-Landesverkehrsminister Roger Lewentz lud Bahn, Kommunen und Verbände zu einem Runden Tisch am nächsten Donnerstag ein.

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