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Hochzeit am Rande des Abgrunds

In Bremen können Paare jetzt auch im Fallturm des Zentrums für Raumfahrttechnologie getraut werden

  • Von Alice Bachmann, Bremen
  • Lesedauer: 3 Min.
Eigentlich ist der Bremer ZARM-Fallturm für Experimente unter Schwerelosigkeit errichtet worden. Künftig kann man passenderweise dort auch heiraten.

Während das Heiraten nicht als wissenschaftliche Tätigkeit gilt, wird das Führen einer gelungenen Ehe oft schon als »Wissenschaft für sich« betrachtet. Im rot-grün regierten Bremen kommen die Wissenschaft und das Heiraten nun dichter zusammen. Da es sich aber nach wie vor erst einmal um eine Amtshandlung handelt, wenn zwei Menschen heiraten, hat das Ganze in der Hansestadt eine amtliche Bezeichnung: Künftig würden »Außentraustand- orte« zugelassen, so die Entscheidung der kürzlich tagenden Bremer Innendeputation, also des Innenausschusses. Zu diesen »Außentraustandorten« gehört unter anderem das Café auf dem Fallturm des Zentrums für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation (ZARM) an der Universität Bremen.

Natürlich wurde sofort die Geldfrage gestellt: Der CDU-Abgeordnete Wilhelm Hinners etwa findet neue »Außentraustandorte« auch gut, aber nur, wenn sie keine Mehrkosten und auch keinen höheren Personaleinsatz verursachen. Hinners konnte jedoch von den »Außentraustandort«-Zuständigen beruhigt werden. Das Bremer Standesamt muss nur eine zur Durchführung von Trauungen befugte Person entsenden, um am jeweiligen »Traustandort« die amtliche Zeremonie durchzuführen. Mehr hat das Standesamt nicht damit zu tun.

Der gut 100 Meter hohe Fallturm des ZARM ragt weit ins Land und gewährt Ausblick über Bremen und die norddeutsche Tiefebene. Im Fallturm befindet sich eine Fallröhre, in der in einer Fallkapsel Experimente unter Schwerelosigkeit durchgeführt werden. Bis zu neun Sekunden können Materialien in den Zustand der Schwerelosigkeit versetzt werden. Das kleine Café oben am Rand der Röhre war schon häufiger der Ort von Schwerelosigkeit der anderen Art, wie Birgit Kinkeldey vom ZARM erzählt: Manche mieten das Café, um - inmitten hochmoderner Technik und im Beisein geladener Gäste - einen Heiratsantrag zu machen. Jetzt wird am Fallturm die zweite Stufe gezündet, will sagen: Nun kann dort auch geheiratet werden. Das Team des Turms ist geübt im Ausrichten solch schwindelerregender Events, wie es neudeutsch heißt.

In der »botanika«, dem grünen Wissenschaftszentrum zwischen Rhododendronpark und Bremens Botanischem Garten, gibt es bereits gewisse Erfahrungen mit dem Heiraten in exotischer Atmosphäre. Silke Ladewig von der »botanika« erläutert, dass bisher bereits freie Trauungen als Pendant zu einer kirchlichen Trauung im dortigen »Japanischen Garten« vollzogen wurden. Das auf Pflanzen spezialisierte Wissenschaftsmuseum hat drei Gewächshäuser und eben den Japanischen Garten mit Koi-Becken. Wer sich hier trauen lässt, hat also zusätzlich zur geladenen Gemeinde mit den schillernd bunten Zuchtkarpfen auch noch stumme Zeugen.

Die Gewächshäuser stehen nun ebenfalls für Trauungen zur Verfügung. In der »botanika« ist man der Meinung, offizielle Trauungen angemessen organisieren zu können, wobei der Rahmen je nach Geldbeutel individuell gestaltet werden kann. Es geht recht schlicht im Foyer, doch auch sämtliche Gewächshäuser können angemietet werden. Letzteres sei aber eher für sehr große Hochzeiten geeignet, so Ladewig. Damit keine Einsamkeitsgefühle aufkommen, sollten es in der gesamten »botanika« dann schon 500 Gäste sein.

Der reine Amtsakt des Hei- ratens kostet an »Außentraustandorten« kaum mehr als im Standesamt selbst. Die Kosten für die Feier etc. sind jedoch eine Frage des persönlichen Finanzrahmens.

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