Hausverbot für Asylbewerber

Einkaufsmarkt nur für »EU-Bürger«

Ein Hausverbot für Asylsuchende in einem niedersächsischen Sonderpostenmarkt wegen angeblicher Diebstähle sorgt landesweit für Empörung. Innenminister Pistorius nennt das Vorgehen »beschämend«.

Bramsche (epd/nd). In Niedersachsen sorgt ein Hausverbot für Asylbewerber in einem Einkaufsmarkt für Wirbel. Innenminister Boris Pistorius (SPD) nannte das Vorgehen des Marktes in Bramsche bei Osnabrück »beschämend«. Auch der Leiter der Landesaufnahmestelle für Flüchtlinge in Bramsche-Hesepe, Konrad Bramm, verurteilte die Entscheidung als diskriminierend. Der Chef der Sicherheitsfirma für die Sonderpostenmarktkette Thomas Philipps habe ihm mitgeteilt, dass Bewohner seiner Einrichtung wegen zunehmender Diebstähle ab sofort keinen Zutritt mehr hätten.

Der Innenminister appellierte an den Einzelhändler, sein Verhalten zu überdenken und seinen Laden wieder für jeden zu öffnen. Der jetzige Zustand sei »unzumutbar und damit eine pauschale Diskriminierung und Kriminalisierung von Flüchtlingen, die nicht hinnehmbar ist«, sagte Pistorius dem NDR. Die Firma Thomas Philipps mit Sitz in Bissendorf bei Osnabrück wollte sich auf Anfrage nicht äußern. Aufnahmestellen-Leiter Bramm betonte, dass der Polizei keine vermehrten Anzeigen vorlägen: »Solange es keinen Nachweis gibt, dass unsere Bewohner dort stehlen, ist das eine unzulässige pauschale Vorverurteilung.«

Bramm berichtete, dass ein Schild am Eingang des Marktes in mehreren Sprachen darauf hinweise, dass ausschließlich EU-Bürger willkommen seien. Das sei schlicht menschenverachtend. Derzeit seien viele Großfamilien unter den gut 600 Bewohnern seiner Einrichtung. »Die kaufen nun mal viel und oft in den Märkten in direkter Nachbarschaft ein. Das ist aber kein Grund, sie einfach so des Diebstahls zu bezichtigen«, sagte Bramm.

Der Geschäftsführer des Bramscher Präventionsrates, Jan Rathjen, forderte langfristige Strategien, um ein Klima zu entwickeln, das »von Toleranz und gegenseitiger Achtung« geprägt sei. Dazu gehöre auch, die Sorgen aller Betroffenen ernst zu nehmen. So seien zum Beispiel die Mitarbeiter der Landesaufnahmestelle möglicherweise mit den vielen Flüchtlingen, die dort zurzeit leben, überfordert.

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