Endstation Templin

Unterschriften für die Wiederbelebung der Strecke nach Eberswalde

Beim 125-jährigen Jubiläum der Bahnstrecke Löwenberg-Templin sollen am Sonnabend auch Unterschriften für die Wiederbelebung der Verbindung Templin-Joachimsthal gesammelt werden. Denn vom Eisenbahnknotenpunkt Templin ist nicht viel übrig geblieben. Der Bahnhof Templin-Stadt ist inzwischen so etwas wie die Endstation einer Sackgasse. Nur auf der Strecke Templin-Löwenberg-Berlin fahren noch regelmäßig Personenzüge.

»Wir fordern schon seit Jahren die zügige Wiederaufnahme des zwischenzeitlich eingestellten Personennahverkehrs zwischen Templin und Joachimsthal«, erklärt Egon Ulrich. »Allerdings haben unsere Proteste bislang nichts gebracht«, bedauert der LINKE-Gebietsvorsitzende von Templin. »Deshalb werden wir am Sonnabend auch wieder mit einem Infostand beim Bahnhofsfest in Templin dabei sein und weitere Unterschriften sammeln.« Bislang habe man 300 Unterzeichner gewonnen. Ziel sei es, auf mindestens 1000 zu kommen. Die Bundestagsabgeordneten Sabine Stüber (LINKE) soll die Listen dann schnellstmöglich an Brandenburgs Verkehrsminister Jörg Vogelsänger (SPD) übergeben.

»Seit der Entscheidung, die Bahnstrecke im Jahr 2006 aus wirtschaftlichen Gründen zu schließen, haben sich die Rahmenbedingungen gründlich geändert«, heißt es. Für eine Wiederaufnahme des Bahnverkehrs seien deshalb auch Eberswaldes Bürgermeister Friedhelm Boginski (FDP) sowie die Verantwortlichen der an der Strecke liegenden Ämter Joachimsthal, Britz-Chorin-Oderberg und Gerswalde, berichtet Templins Bürgermeister Detlef Tabbert (LINKE). Inzwischen habe man EU-Fördermittel eingeworben, um das mögliche Fahrgastaufkommen auf der Strecke zuverlässig zu ermitteln. Damit soll im Herbst begonnen werden. Eine Bahnverbindung wird auch deshalb als wichtig angesehen, weil der Busverkehr in Richtung Eberswalde weiter ausgedünnt worden sei, sagt Tabbert.

Am 1. Mai 1888 wurde zunächst der 33 Kilometer lange Abschnitt zwischen Löwenberg und Templin in Betrieb genommen und damit die Verbindung nach Berlin geschaffen. Nach der Eröffnung des Bahnhofes Templin-Vorstadt (heute Templin-Stadt) rollte am 1. Mai 1900 von dort der erste Zug nach Prenzlau. 1898 wurde die Strecke Templin-Britz in Betrieb genommen. Im Jahr darauf wurden die Schienen von Löwenberg bis Prenzlau und von Britz bis nach Fürstenberg/Havel verlängert. Als letzte folgte 1913 die Verbindung Templin-Fürstenwerder, die allerdings nur bis 1945 genutzt wurde. Wo diese Schienen lagen, wird derzeit an einem Radweg gebaut.

Über die Strecke Templin-Lychen-Fürstenberg/Havel rollte 1996 der letzte Zug. Anschließend wurde hier Deutschlands erste touristisch genutzte Draisinenstrecke eingerichtet, die bis heute in Betrieb ist. Im Jahr 2000 wurde der Zugverkehr zwischen Templin und Prenzlau eingestellt. Hier werden Gleise und Bahnanlagen inzwischen demontiert. Auf dem Abschnitt Templin-Joachimsthal endete der Personenverkehr 2006. Es fahren stattdessen Busse. Die Gleise werden nur noch gelegentlich von Güterzügen benutzt.

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