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Bauboom bis 2020

Treptow-Köpenick: Neue Wohneinheiten könnten Mietspiegel hochtreiben

Der Wohnungsbau in Treptow-Köpenick boomt. Der Stadtbezirk im Berliner Südosten verfügt über ein Wohnungsbaupotenzial von etwa 10 000 neuen Einheiten bis zum Jahr 2020, freute sich Bürgermeister Oliver Igel (SPD) bei einem Pressegespräch im historischen Rathaus in der Köpenicker Altstadt. Für etwa ein Viertel davon sei bereits Baurecht geschaffen worden. Schwerpunkte des Baubooms seien die Ortsteile Johannisthal, Altglienicke, Oberschöneweide und das WISTA-Gelände in Adlershof.

Dabei soll, so der Rathauschef, der auch für die Immobilienwirtschaft zuständig ist, eine gesunde Balance zwischen privat finanzierten und daher in der Regel auch teureren Wohnungsbau und dem Neubau von bezahlbaren Wohnraum gehalten werden. Er setzt vor allem auf die Wohnungsbaugesellschaften, die zum Beispiel in der Dörpfeldstraße in Adlershof oder in der Dammvorstadt zurzeit größere Wohneinheiten errichten. Das sieht die LINKE, mit 15 Sitzen zweitstärkste Fraktion im Treptow-Köpenicker Bezirksparlament nach der SPD, eher skeptisch.

Ernst Welter, Sprecher der Linksfraktion für Stadtentwicklung in Treptow-Köpenick, sagte gegenüber »nd«: »Auf der einen Seite befürworten wir natürlich das Ausschöpfen des Wohnungsbaupotenzials und der damit verbundenen Entwicklungschancen für den Stadtbezirk. Auf der anderen Seite muss man auch die sozialen und infrastrukturellen Auswirkungen eines wesentlich frei finanzierten Wohnungsbaus genau prüfen.« Der Linkenpolitiker, der auch schon mal Stadtrat in Köpenick war, verwies darauf, dass seine Partei Anträge eingebracht hat, damit bei den Baugenehmigungen darauf geachtet wird, dass auch genügend sozial verträgliche Wohnungen errichtet werden. Der überwiegende Bau von teuren und Luxuswohnungen, vor allem in Wassernähe, so Ernst Welter, habe auch Auswirkungen auf den Mietspiegel im Umfeld und wirke somit preistreibend in dem immer beliebter werdenden Zuzugsbezirk.

Ein weiteres Problem sieht die LINKE in Treptow-Köpenick in der Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen sowie dem zunehmenden Verkauf von Mietwohnungen an private Investoren. Als Beispiel nennt Ernst Welter die Mittelheide, wo Wohnungen von privater Hand modernisiert wurden und jetzt auf die Mieter eine Preissteigerung von bisher drei bis vier Euro pro Quadratmeter auf bis zu 7,50 Euro zukommen sollen. Die gegenwärtige Marktsituation führe zu Aufkauf und Privatisierung von Wohnraum, verbunden mit Mietsteigerungen, die wiederum die Verdrängung der alteingessenen Bevölkerung zur Folge haben. Das sei zurzeit in Treptow-Nord zu beobachten. Die LINKE habe daher Anträge zur Milieuschutzordnung und zur Erhaltung bestehender Kieze eingebracht, die jedoch von der »Zählgemeinschaft« aus SPD, CDU und Grünen blockiert würden.

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