Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Das arische »Küsschen«

Weiße Nuss-Pralinen schieben Ferrero in die rechte Ecke

»Deutschland wählt weiß«, das ist kein Wahlspruch der NPD. Damit wirbt Ferrero für eine neue Edition seiner »Küsschen«. Das bringt dem Unternehmen einen Rassismus-Vorwurf ein. Der Süßigkeiten-Hersteller hält die Anspielungen unterdessen für Missverständnisse.

Wer kennt sie nicht, die Ferrero-Küsschen? Auf der Couch beim Besuch bei der Großmutti rangieren sie in der Beliebtheitsskala auf auf Platze eins. Denn platziert zwischen alkoholisischen Mon Cherie und klebrigen Pfefferminzbonbons ist die Haselnuss in Schokomantel wegen ihrer Dezenz noch die schmackhafteste Alternative.

So richtig hip sind die Nuss-Pralines allerdings nicht mehr. Im Supermarkt greift man lieber zur Konkurrenz. Das liegt vielleicht auch daran, dass der Werbespruch (»Guten Freunden gibt man ein Küsschen«) so alt wie man selbst ist und es höchstens noch in die Trash-Hitparade auf langweiligen WG-Parties schafft.

Das dachten sich wahrscheinlich auch die Werber bei Ferrero und suchten krampfhaft nach einem neuen, hippen Image für die Nuss-Nascherei. Denn nur junge, hippe Produkte verkaufen sich gut. Die Macher des neuen Werbespots leisteten sich dabei allerdings einen Ausrutscher der politisch besonders unappetitlichen Art und Weise. Doch war der Faux Pas diesmal nicht sexistischer Natur. Schließlich ist frauenverachtende Werbung nach durchgegenderten Chips-Tüten und Deo-Werbung für Männer mit halbnackten Models nichts mehr neues.

Und bei dem »Küsschen« wäre engagierten Marketingfachleuten sicherlich die eine oder andere Sauerei eingefallen. Nein. Ferrero wollte etwas wirklich Neues und Hippes - und bediente sich der Rassimsus-Karte. Der Hersteller bringt jetzt neue, weiße Küsschen heraus. Passend zur bundesweiten Wahlkampfzeit wurde auch der neue Werbespot gestaltet: Auf einer Tribüne steht das neue – weiße – Ferrero-Küsschen, unten jubelt ihm seine ebenso weiße und vor allem hippe Anhängerschaft zu. Alles gar nicht so schlimm, denkt man sich.

Wären da nur nicht die Sprüche eben jener weißen Ferrero-Fans: Mit »Yes, weiß can« wird anfangs mal so eben der Wahlwerbespruch von Barack Obama, dem ersten afroamerikansichen Präsidenten in der Geschichte der Vereinigten Staaten, verballhornt. Angesichts der Debatte um ein Flüchtlingsheim in Berlin-Hellersdorf bekommt der zweite Spruch, »Weiß Nuss (= muss) bleiben«, schon einen bittereren Beigeschmack.

Der letzte Spruch, der als übergeordneter Werbeslogan dient, schießt den Vogel endgültig ab: »Deutschland wählt weiß!« Die NPD hätte für ihren Nationalismus nicht besser werben können. Kein Wunder also, dass der Spot des Süßigkeitenproduzenten bereits ein Aufreger im Internet ist.

»Unglaublich, wie man so eine Werbung produzieren kann, ohne eine Sekunde über die Problematik nachzudenken«, schreibt etwa ein Nutzer auf der Facebook-Seite von Ferrero als Kommentar. Beim Unternehmen hält man das mit den rassistischen Anspielungen alles für ein »Missverständnis«.

»Uns ist es wichtig zu betonen, dass wir strikt gegen jegliche Form von Fremdenfeindlichkeit, Rechtsextremismus oder Rassismus sind und dass wir uns von derartigen Vorwürfen distanzieren«, schreibt Ferrero bei Facebook. Offenbar sollten sie einen ihrer Slogans noch mal überdenken und umschreiben: »Yes, weiß can, doch nicht!«

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln