Noch ein Schuss vor den Bug ist unnötig

Ringer-Präsident Manfred Werner über die Chancen seiner Sportart, auch 2020 Teil des olympischen Programms zu sein

Ringen geht am 8. September als Favorit in die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), welche Sportart 2020 Teil des Olympiaprogramms sein wird. Der Präsident der deutschen Ringer, MANFRED WERNER, ist optimistisch, denn sein Sport habe vieles bewegt, seit das IOC androhte, ihn rauszuwerfen.

nd: Fliegt der DRB-Präsident nach Buenos Aires zum Hände schütteln, um das IOC zu überzeugen, am 8. September Ringen im olympischen Programm zu halten?
Werner: Nein, unser Weltverbandspräsident Nenad Lalovic wird dort sein. Das wird reichen.

Haben Sie vorher mit ihm die Strategie abgesprochen?
Wir haben in den vergangenen Monaten sehr eng zusammengearbeitet. Er wird mit einer neuen Präsentation noch einmal intensiver als im Mai bei der IOC-Exekutivsitzung in St. Petersburg unsere Standpunkte vortragen.

Wie will die Ringerfamilie moderner daherkommen?
Im Februar waren wir vom IOC zu Recht kritisiert worden. Nun haben wir die Regelwerke verändert, damit die Kämpfe attraktiver und überschaubarer werden. So entscheidet nicht mehr die Zahl gewonnener Runden, sondern es gewinnt derjenige, der nach zweimal drei Minuten mehr Punkte hat. Zuvor gab es drei Runden. Wenn einer die erste Runde 4:0 gewonnen hatte, die anderen zwei aber jeweils 0:1 verlor, hatte er auch den Kampf verloren, obwohl die Zuschauer dachten, dass er 4:2 gewonnen hatte. Passivitätsregeln wurden auch verständlicher. Wer angezählt wird, muss in einer kurzen Zeit eine Wertung erzielen, sonst verliert er einen Punkt.

Und abgesehen von den Regeln?
Das Präsidium und die Kommissionen wurden mit mehr Frauen besetzt. Unseren alten Präsidenten hatten wir schon zwei Tage nach der Empfehlung vom 16. Februar, uns aus dem Programm zu nehmen, abgesetzt. Mit dem neuen war ich dann gleich beim IOC-Vizepräsidenten Dr. Thomas Bach. Und Herr Lalovic hat auch mit dem IOC-Präsidenten Jacques Rogge sowie den Mitgliedern der Programmkommission darüber gesprochen, was wir ändern müssen. Daran ausgerichtet hat er dann Verbesserungen vorgenommen. Außerdem haben wir geschafft, was in der Politik fast unmöglich ist. Die USA, Iran und Russland haben gemeinsam eng zusammengearbeitet. Der Mannschaftskampf zwischen Iran und den USA in New York war eine große Nummer.

Was, wenn es doch nicht klappt? Liegt dann die Schuld beim geldgeilen IOC oder beim verschlafenen Ringerverband?
Der Kommerz spielt schon eine Rolle, aber wir können Fortschritt mit Tradition verbinden. Das hat Nenad Lalovic getan. Wenn die Entscheidung trotzdem negativ ausfällt, muss man zugeben, dass wir Fehler gemacht haben.

Ihr Konkurrent Squash ist schon zweimal knapp gescheitert. Haben Sie Angst, dass das IOC Squash nicht noch mal abblitzen lassen und dafür den Ringern einen Schuss vor den Bug setzen will?
Den Schuss gab es schon im Februar. Ein weiterer ist unnötig. Ich bin aber Sportfan genug zu sagen, dass jede Sportart ihre Chance haben muss. Natürlich stand Squash schon zweimal auf der Liste, aber die haben nicht unsere Tradition: Wir sind schließlich seit 1896 ununterbrochen olympisch.

Wettanbieter sehen Ringen vorn, Squash auf Platz zwei vor Baseball. Sehen Sie Squash auch als größten Konkurrenten an?
An Wetten beteilige ich mich nicht, aber als ich das las, habe ich mich schon gefreut. Ich halte trotzdem jede Sportart für einen gleichwertigen Gegner.

Aber Ihre Zuversicht ist groß?
Ich bin vorsichtig optimistisch.

Fragen: Oliver Händler

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