Von Horst Schäfer

Eine Frage, Herr General

Horst Schäfer über eine Rede von Wesley Clark aus dem Jahr 2007 und die Syrienfrage

Werter General Wesley Clark, Sie haben bereits vor sechs Jahren angekündigt, dass sich die USA schon lange auf einen Krieg gegen Syrien vorbereiten. Am 3. Oktober 2007 überraschten Sie die Mitglieder des renommierten Commonwealth Club of California in San Francisco mit der Enthüllung, dass ein US-Überfall auf Syrien mindestens seit 2001 geplant sei. Als ehemaliger hoher Militär - von 1997 bis 2000 oberster Befehlshaber der NATO-Streitmacht in Europa und Vier-Sterne-General - sind Sie sich sicher der Brisanz ihres Vortrags bewusst gewesen.

Sie können sich auch bestimmt an Ihre wesentlichen Aussagen in San Francisco erinnern: Im Zusammenhang mit dem 11. September 2001 haben Sie von einem »politischen Staatsstreich« in den USA gesprochen. Knapp zwei Monate später, so Ihr Bericht, erfuhren Sie bei einem Besuch im Pentagon von einem Offizier des Vereinigten Generalstabs, dass außer Afghanistan - was Ihre Billigung fand - in den folgenden »fünf Jahren noch sieben weitere Staaten von den USA angegriffen und ihre Regierungen zerstört werden sollen«: Irak, Libyen, Syrien, Iran, Libanon, Somalia und Sudan. Ihr Gewährsmann berief sich dabei auf ein geheimes Memorandum, dass er gerade aus dem Büro von Verteidigungsminister Rumsfeld erhalten habe. Jeder - ob Demokrat oder Republikaner - sollte besorgt sein »über die Strategie der Vereinigten Staaten im Nahen Osten«, so warnten Sie.

Als die wichtigsten Initiatoren dieser gefährlichen Politik nannten Sie unter anderem Donald Rumsfeld und seinen Vize-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz , Präsident George Bush und Vizepräsident Richard Cheney sowie andere prominente Politiker, die dem ultrakonservativen Project for the New American Century (PNAC) angehörten. »Diese Leute haben die Politik der Vereinigten Staaten übernommen,« setzten Sie hinzu und ihre Ziel sei es, »dass der Nahe Osten destabilisiert, alles auf den Kopf gestellt und unter unsere Kontrolle gebracht wird«.

Außerdem erinnerten Sie Ihre Zuhörer in San Francisco noch an ein Treffen mit Wolfowitz bereits im Jahre 1991, bei dem er Ihnen eröffnete, was Sie so wiedergeben: Der Zweck des US-Militärs sei, »Kriege zu beginnen, Regierungen auszuwechseln - und nicht, Konflikte zu verhindern. Also: Wir überfallen Staaten...« Diese Eröffnung scheint Sie überrascht zu haben, obwohl Sie doch 1999 der Oberbefehlshaber des NATO-Überfalls auf Serbien waren...

Ach ja, die Frage: Sie erwähnten unter den zahlreichen Namen der Verantwortlichen für den Staatsterrorismus der USA gegen andere Staaten nicht Barack Obama. Sicher, er war damals noch nicht US-Präsident, aber könnte es sein, dass Ihr Parteifreund und Friedensnobelpreisträger inzwischen zu der von Ihnen erwähnten Gruppe der Unfriedensstifter gehört?

Den Link zu Ihrem Auftritt vor sechs Jahren füge ich an. Vielleicht könnten Sie Ihren Präsidenten dafür interessieren, bevor er sich in der Syrien-Frage im Sinne von Bush, Rumsfeld, Wolfowitz und der PNAC entscheidet. Schicken Sie das Video bitte auch an die deutsche Kanzlerin und ihre Krieger - von einem der höchst dekorierten US-Generale nehmen sie es vielleicht eher entgegen.

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