Engelbengel

Zum Tode des Schauspielers Otto Sander

  • Von Hans-Dieter Schütt
  • Lesedauer: ca. 3.0 Min.

So rührend, so wehbereit, so alterskindlich ein Leben lang und: noch im besten Anzug so wirkend, als sei er aus allen Anzügen gestoßen – manchmal war Otto Sander tatsächlich eine Art Heinz Rühmann. Aber in die Länge gezogen, ausgedürrt und Saft raus. Nur das Wässrige dringelassen, in den blauen Augen über den listigen, lustigen Gesichtszügen. Nie Edelmann, immer Schlabbermann.

Sanders Spielherz: flugs zur Organspende bereit, wo ein Schlitzohr fehlte. Ja, sein seelenguter Ausdruck bat auch gern darum, als Pokerface anerkannt zu werden – aber die urkomisch trottlige Traurigkeit schlug trotzdem durch. Die Schnauzer-Enden mit den Schultern im Wettkampf, wer wohl tiefer hinge. Ein Wettkampf, dessen Sieger meist – die Mundwinkel waren.

Dieser Spieler mit der so warmdunkel, sanft brodelnden Stimme – inmitten der Verwandler, der Turnspezialisten, der Wuselmeister, der Schwersttragöden seines Berufs stand er bloß. Ein Angler ohne f...




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