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Blendgranate gegen Schalke 04

NRW-Innenminister zieht nach umstrittenem Polizeieinsatz Beamte aus Stadion ab

  • Von Marcus Meier, Düsseldorf
  • Lesedauer: 3 Min.

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NRW-Innenminister Ralf Jäger schickt keine Polizisten mehr ins Stadion des FC Schalke 04. Die Aufklärung des umstrittenen Einsatzes seiner Beamten dort am 21. August mit 80 Verletzten treibt er dagegen nicht voran. An der Rechtmäßigkeit des damaligen Vorgehens bestehen eine Menge Zweifel.

Die Schlagzeilen waren schnell gestrickt. »Polizei zieht sich aus Schalke-Arena zurück«, war am Freitag in vielen Medien zu lesen. Eingreifen werde die Polizei im blau-weißen Stadion nur noch dann, wenn sie zur Hilfe gerufen wird. NRW-Innenminister Ralf Jäger war am Donnerstag im Innenausschuss des Düsseldorfer Landtages sichtlich wütend auf die Führung des FC Schalke 04, die nach dem Qualifikationsspiel zur Champions League gegen PAOK Saloniki einen Polizeisturm der Nordkurve heftig kritisiert hatte.

Das Vertrauensverhältnis zum FC Schalke sei seit diesem 21. August gestört, tönte Sozialdemokrat Jäger. Künftig sei es allein Sache des Vereins, im Stadion für die Sicherheit zu sorgen. Eine Retourkutsche? Mag sein. Aber Jägers Paukenschlag fungiert auch als Blendgranate. Denn die nordrhein-westfälische Polizei und ihr oberster Dienstherr Jäger stehen nach der Innenausschusssitzung nicht im besten Lichte da. Völlig unklar ist weiterhin, ob die Uniformierten legal, angemessen und verhältnismäßig agierten. Jäger, ein - wenn auch nicht sehr begnadeter - Selbstdarsteller, darf sich noch glücklich schätzen über die für ihn wenig schmeichelhaften Schlagzeilen. Es hätte schlimmer kommen können. Dafür sind aber noch zu viele Fragen unbeantwortet.

Entgegen der sogenannten NRW-Linie waren bei dem Spiel Dutzende Polizisten in einen Block von Schalke-Fans einmarschiert. Es wurde exzessiv Pfefferspray über die überwiegend friedlichen Fans gesprüht. Knüppel kamen zum Einsatz. 80 Personen wurden verletzt. All das wegen einer Fahne, die die gegnerischen Fans als provokativ empfanden, weil sie der alten mazedonischen ähnlich war - und somit im wahrsten Sinne des Wortes ein rotes Tuch für nationalistische Griechen.

Die Polizei rechtfertigte sich, sie habe sonst mit Toten und Schwerverletzten rechnen müssen. Angeblich hatten Saloniki-Fans angekündigt, das Spielfeld und den gegnerischen Fanblock zu stürmen. Deswegen also ihr Einsatz wider den Stofffetzen: Weil die auswärtigen Fans mit Gewalt drohten, bekamen die heimischen Fans reale Prügel ab.

»Komiti Düsseldorf«, der Name einer mazedonischen Schalker Fangruppe, stand in kyrillischen Buchstaben auf der Fahne. Stellt die also eine Provokation dar? Und: War sie der wahre Anlass für die Gewaltdrohung? Immerhin wurde sie fast ab Spielbeginn im Schalker Block gezeigt, während der Polizeieinsatz erst kurz vor Ende der Begegnung stattfand. Geklärt ist auch nicht, ob der Stadionsprecher vor dem Polizeieinsatz die Fans aufforderte, die Fahne abzunehmen respektive den Weg zu ihr für die Polizisten frei zu machen. Wahrscheinlich nicht - kam der Einsatz doch für die meisten im Stadion völlig unvermittelt, wie NRWs ranghöchster Polizist Dieter Wehe einräumt.

Juristisch entscheidend wird sein, ob auch die Fans im Schalker Block als »Verhaltenstörer« gelten können. »Ja«, sagt Wehe. Schließlich sei die Fahne als Provokation gedacht gewesen. Nein, schreibt die Arbeitsgemeinschaft Fananwälte in einem offenen Brief an Minister Jäger. Drohungen und Gefahr seien schließlich von den griechischen Fans ausgegangen. Der Polizeieinsatz und dessen Rechtfertigung ist für die Anwälte »mit polizeirechtlichen und rechtsstaatlichen Grundsätzen nicht in Einklang zu bringen«.

Auch manch anderes Detail wirkt bizarr. Obwohl die Polizei vorab nur von 220 griechischen »Problemfans«, nicht jedoch einem »Risikospiel« ausging, war hinterher von 2000 gewaltbereiten Fans die Rede. Jäger versprach am Donnerstag umfassende Aufklärung. Am Freitag keilte er schon wieder gegen die Schalke-Spitze.

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