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Zarter Wandel auf zwei Rädern

Der deutsche Radsport sieht sich vor der am Sonntag beginnenden WM auf einem guten Weg

  • Von Ruben Stark, SID
  • Lesedauer: 3 Min.

Doping, Doping, Doping. Es sei jahrelang immer nur um das Eine gegangen, sagt Udo Sprenger, Vizepräsident beim Bund Deutscher Radfahrer (BDR). Nun ja, es gab auch genügend Anlass. Die neue Generation um Marcel Kittel, John Degenkolb und Tony Martin, findet Sprenger, habe das jedoch verändert. Vor der am Sonntag beginnenden Straßenrad-WM in Florenz (22. bis 29. September) wird auch in Deutschland wieder mehr über sportliche Leistungen und Erfolge gesprochen. »Es hat sich alles etwas relativiert, das Klima ist schon besser«, meint der Funktionär.

Die Haltung der Vorzeigeathleten BDR, die sich für lebenslange Sperren von Dopern und ein Antidoping-Gesetz einsetzen, mache sich bemerkbar. Beim Verband, sagt Sprenger, spüre man diesen zarten Wandel. »Weil es glaubwürdig ist, was sie sagen.« Nun müsse sich noch die Präsenz im öffentlichen-rechtlichen Fernsehen verstärken, damit bei Sponsoren wieder Interesse entstehe.

Überhaupt ist nach Sprengers Meinung vieles positiv. Die insgesamt sechs Etappensiege von Kittel, Martin und André Greipel bei der Tour de France, der Triumph von Degenkolb bei den Hamburg Cyclassics, gerade der ansprechende Auftritt von Dominik Nerz als Gesamt-14. der Spanien-Rundfahrt: »Wir stehen richtig gut da.« Es gibt tatsächlich eine Reihe von Anzeichen für eine lang anhaltende Erfolgsgeschichte, bei den anstehenden Titelkämpfen aber dennoch nur eine Podiumsgarantie.

WM ist das einzige Ziel

Tony Martin peilt beim Zeitfahren am Mittwoch den WM-Hattrick an. Nach den Siegen von 2011 und 2012 muss der 28-Jährige wohl aber sein Meisterstück ablegen im Showdown gegen Olympiasieger Bradley Wiggins (Großbritannien) und den viermaligen Champion Fabian Cancellara (Schweiz). Der gebürtige Cottbuser hat sich akribisch auf den 57,9 km langen und flachen Kurs eingestellt und wie in den Vorjahren die Vorbereitung über die Vuelta gewählt.

»Optimal«, sei dieser Weg für ihn, sagte Martin. Und weil die WM »das einzige Ziel« für den Titelverteidiger ist, hat ihn die Zeitfahr-Niederlage in Spanien gegen Cancellara auch nicht verunsichert. Zum Auftakt im Mannschaftswettbewerb am Sonntag will sich Martin nochmals Selbstvertrauen holen, wenn er mit seinem belgischen Quick-Step-Team das Regenbogentrikot aus dem letzten Jahr verteidigt.

Ansonsten scheint höchstens im U23-Zeitfahren der Männer Edelmetall möglich. Jasha Sütterlin aus Freiburg, der kürzlich seinen ersten Profivertrag beim spanischen Team Movistar unterschrieb, ist in der Lage, um einen Platz auf dem Podium zu kämpfen. Bei den Frauen kommt der Verlust von Sieggarantin Judith Arndt zum Tragen, die ihre Laufbahn 2012 nach ihrem zweiten Zeitfahr-WM-Titel beendet hatte. Es sei deswegen »eine Art Generationswechsel« im Gange, sagt Sprenger, der am ehesten noch der Münchnerin Claudia Häusler im Straßenrennen ein Spitzenergebnis zutraut.

Auch die Männer werden im Straßenrennen zum Abschluss der Wettbewerbe keine prägende Rolle einnehmen. Während die Italiener um Vincenzo Nibali und Spanien um Alberto Contador, Alejandro Valverde und Joaquim Rodriguez die Verantwortung tragen, wird sich das deutsche Sextett sehr dezent verhalten. »Wir müssen die Schlauesten sein«, sagt Dominik Nerz. Degenkolb wird in einer Jokerrolle auf seine Chance lauern, sollte er die Anstiege auf dem 272,26 km langen Kurs überstehen. Den Sprintern Kittel und Greipel ist das Profil zu schwer, sie haben verzichtet.

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