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»Beliebt, aber nicht rentabel«

»Mainzer Rhein-Zeitung« stellt ihr Erscheinen ein

  • Von Robert Luchs, Mainz
  • Lesedauer: 2 Min.
Vor 26 Jahren gegründet galt die »Mainzer Rhein-Zeitung« lange Zeit als unverzichtbar für ihren Verlag. Doch nun kam das Aus, die Leser erfuhren dies pikanterweise über das Internet.

Gerüchte gab es schon länger, doch das Aus kommt dann doch überraschend: Die »Mainzer Rhein-Zeitung« (MRZ) stellt zum Jahresende ihr Erscheinen ein. »Beliebt, aber nicht rentabel«, so twitterte der Chefredakteur der Rhein-Zeitung Koblenz, Christian Lindner, lapidar das bevorstehende Ende der Zeitung nach 26 Jahren. Kein Wort des Bedauerns darüber, dass 16 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Zeitung in der Redaktion und im Sekretariat zum Jahresende vor der betriebsbedingten Kündigung stehen.

Marketingleiter Oliver Moll teilte mit, die MRZ verzeichne zwar seit 15 Monaten steigende Abonnentenzahlen; mit einer verkauften Auflage von annähernd 7 000 Exemplaren im August und mit Blick auf die Perspektiven im Zeitungsmarkt seit das Blatt jedoch »nicht in die Wirtschaftlichkeit zu führen«. Der Mittelrhein-Verlag werde sich auf sein wirtschaftlich gesundes Kerngebiet mit 13 Lokalausgaben konzentrieren und neben dem Printgeschäft sein Digitalangebot ausbauen.

Als Ableger gegründet

Noch vor wenigen Wochen hatte der Verlag verstärkt mit kostenfreien Leseproben geworben und damit die Hoffnung verbunden, dass die Zeitung »zu einer unverzichtbaren Nachrichten- und Informationsquelle wird«.

Die MRZ war im Oktober 1987 als der in Mainz erscheinende Ableger der Rhein-Zeitung gegründet worden. Ein Vorgang, der in der deutschen Zeitungslandschaft seinesgleichen suchte. In den folgenden Jahren galt die MRZ als hartnäckiger Konkurrent der alteingesessenen Mainzer »Allgemeine Zeitung«. Die MRZ legte ihren journalistischen Schwerpunkt auf das lokale und regionale Geschehen und war der Konkurrenz nicht selten eine Nasenlänge voraus.

Der Deutsche Journalistenverband (DJV) nahm die Entscheidung des Mittelrhein-Verlages in Koblenz »mit Unverständnis« zur Kenntnis. »Wir bedauern die Schließung der «Mainzer Rhein-Zeitung» außerordentlich und fordern die Verlagsleitung auf, unverzüglich gemeinsam mit den betroffenen Journalistinnen und Journalisten eine sozialverträgliche Lösung zu finden«, sagte die Vorsitzende des DJV-Landesverbandes Rheinland-Pfalz, Andrea Wohlfahrt.

Verlust an Vielfalt

Das Aus komme überraschend, so Wohlfahrt, zumal dieser endgültigen Entscheidung vor wenigen Monaten erst personelle Einsparungen am Standort Mainz vorausgegangen waren. Die Ausgabe Mainz habe schon seit Jahren innerhalb des Koblenzer Verlages als unrentabel gegolten, sei aber für das Selbstverständnis der Zeitung stets als unverzichtbar erklärt worden, so die DJV-Stellungnahme.

Die Berufsvertretung der Journalisten kritisierte die Art und Weise der Mitteilung, in der das Ende der Zeitung angekündigt wurde, als »stillos«. Nach Ansicht des DJV-Landesverbandes bedeutet die Entscheidung eine Schwächung des Medienstandortes Mainz und einen weiteren Verlust an Medienvielfalt. Die Leserinnen und Leser verlören eine innovativ gemachte Tageszeitung.

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