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»Breaking Bad« räumt ab

TV-Preise in den USA: Emmy-Jury setzt auf Bewährtes

Neil Patrick Harris wollte unter allen Umständen vermeiden, als allzu konservativ zu gelten. Das Fernsehpublikum am Sonntagabend sollte wissen, dass er die Zeichen der Zeit erkennt. »Für die jüngeren Leute unter Euch: Fernsehen ist das, was Ihr Euch auf Eurem Telefon anschaut«, sagte der immerhin auch schon 40 Jahre alte Schauspieler während seiner Präsentation der Emmy Awards.

Es war eine knappe Anerkennung der Tatsache, dass sich in der Fernsehbranche, die sich mit dem Emmy-Abend jedes Jahr selbst feiert, wieder einmal alles verändert. Nachdem in den vergangenen zehn Jahren die Erfolgs- und Qualitätssendungen vom Netzwerkfernsehen ebenso wie aus dem Kino zu den Kabelkanälen wie HBO gewandert sind, wurde in diesem Jahr heiß über einen kompletten Plattformwechsel diskutiert. Erstmals war mit »House of Cards« eine Serie für den Emmy nominiert worden, die einzig und alleine für das Internet produziert wurde. Sie war von Anfang an als komplette Staffel auf den Streamingdienst Netflix zu sehen.

Das hat in der Tat revolutionäres Potenzial. Erst vor wenigen Wochen hielt »House of Cards«- Star Kevin Spacey bei der Ted Konferenz ein flammendes Plädoyer für dieses neue Vertriebsmodell, das den Produzenten kreative Freiräume schafft und dem Verbraucher vollkommene Unabhängigkeit bietet. Doch die Branche, die ihre Emmy-Zeremonie auf dem konventionellen Netzwerksender CBS ausstrahlte, war noch nicht bereit, den Schritt in die Zukunft mit ganzem Herzen mitzugehen. Der erwartete Triumph für die hochgelobte »House of Cards«-Serie, in welcher der Filz und die Korruption von Washington aufs Korn genommen werden, blieb aus. Die Gewinner des Abends waren weitestgehend vorhersagbar.

Der große Sieger war die Serie »Breaking Bad«, deren fünftes Saisonfinale zeitgleich zur Preisverleihung auf der Kabelstation AMC lief. In den vergangenen Jahren war »Breaking Bad« jeweils von »Mad Men« ausgestochen worden, nun, da das Drama um einen krebskranken Lehrer, der zum Drogendealer wird, zu Ende geht, fand man sich bemüßigt, die von der Kritik hoch gelobte Sendung endlich zu ehren. »Breaking Bad« passt bestens in die Landschaft der vergangenen zehn Jahre, der Fernsehära, die mit den »Sopranos« eingeleitet wurde. »Breaking Bad« ist eine dunkle, gesellschaftskritische Serie, die den Blick auf die Kehrseite des amerikanischen Traums wirft und sich dabei nicht vor dem erhobenen Zeigefinger scheut. Der krebskranke Lehrer Walter White wird in die Kriminalität gedrängt, weil seine staatliche Versorgung unzureichend ist. Er steht vor einem moralischen Dilemma.

Es ist eine komplexe Geschichte, hervorragend geschrieben und erstklassig gespielt. Der Emmy war verdient, ebenso wie der Emmy für die beste Nebenrolle, der an »Breaking Bad«-Star Anna Gunn ging. Dennoch hätte man sich bei den Preisverleihungen etwas mehr Mut gewünscht. So gingen zur Enttäuschung der Fachwelt innovative Serien wie »Arrested Development«, »Louie« und die Krimi Serie von Oscar Gewinnerin Jane Campion, »Top of the Lake« leer aus. Stattdessen setzte man auf Bewährtes. Clare Danes von der schon im Vorjahr mit Auszeichnungen überschütteten Serie »Homeland« bekam den Preis für die beste Hauptdarstellerin, »Modern Family« wurde zum zweiten Mal in Folge mit dem Preis für die beste Comedy ausgezeichnet. Und Jim Parsons, der den Preis für den besten Hauptdarsteller bekam, hat auch bereits zwei Emmys zuhause.

Mit dem Preis für die Miniserie »Under the Candelabra«, der Geschichte des homosexuellen Entertainers Liberace mit Michael Douglas und Matt Damon, hat die Fernsehbranche dann schließlich doch noch Innovation gewürdigt. Allerdings war es dieselbe Art von Innovation, von der das Fernsehen seit nunmehr Jahren profitiert: Dem Trend von der Leinwand weg zum Fernsehen.

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