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»Man muss sich hohe Ziele stecken«

Oxfam-Referent Tobias Hauschild über die Millennium-Entwicklungsziele

nd: Herr Hauschild, sind die Millennium-Entwicklungsziele die effektivste Maßnahme zur Armutsbekämpfung, wie von UN-Generalsekretär Ban Ki-moon kürzlich formuliert?
Hauschild: Teils, teils. Das Gute an den MDGs war, dass man sich erstmals in der Geschichte der Vereinten Nationen tatsächlich einen gemeinsamen klaren Zielkatalog gesetzt hat, den man in einer bestimmten Zeitspanne, also bis 2015, erreichen will. Das hat starke Impulse gehabt für bestimmte Bereiche wie zum Beispiel Bildung, Gesundheitsfürsorge, Hungerbekämpfung. Wenn man sich die Bilanz der MDGs anschaut, kann man feststellen, dass sich viele Hoffnungen nicht erfüllt haben.

Sie meinen also, das ist die umfangreichste armutsbekämpfende Maßnahme, aber keine erfolgreiche?
Das ist schwer zu sagen. Ich halte die MDGs nicht für völlig gescheitert, ich halte sie aber auch nicht für erfolgreich abgearbeitet. Der Prozess selbst war wichtig, und erfolgreiche Armutsbekämpfung hat es in Teilbereichen gegeben, aber längst nicht in dem Ausmaß, wie man sich das erhofft hat.

Die Ziele waren zu ambitioniert?
Nein, das glaube ich nicht. Man muss sich hohe Ziele stecken, um möglichst viel zu erreichen. Dass man versucht, innerhalb von 15 Jahren allen Kindern eine Grundschulbildung zu verschaffen oder die Mütter- und Kindersterblichkeit zu senken, ist für mich eine Selbstverständlichkeit. Es hieß im Jahr 2000 sogar, dass eine Halbierung der Armut oder des Hungers bis 2015 viel zu unambitioniert sei. Unter anderem standen nicht im notwendigen Ausmaß Finanzen bereit. Insbesondere auch, weil Industrieländer ihren Versprechungen nach Entwicklungshilfe nicht nachgekommen sind.

Welches der Ziele kann bis 2015 noch umgesetzt werden?
Das erste Ziel ist bereits umgesetzt, also die Halbierung des Anteils der weltweit in Armut Lebenden. Aber auch das ist eine sehr gemischte Bilanz: Man muss eben regional differenzieren. Das Ergebnis beruht in erster Linie darauf, dass der Anteil in China und Indien gefallen ist. Das sagt aber nichts darüber hinaus, wie es zum Beispiel in Afrika ausschaut - dort ist der Anteil der in Armut Lebenden längst nicht so stark gefallen. Auch bei der Bekämpfung von HIV-Aids sind die Fortschritte gut. Viel mehr Menschen als man sich das vorher gedacht hat, werden heute mit antiretroviralen Medikamenten versorgt.

Und bei welchem Ziel sieht es am schlechtesten aus?
Bei einigen MDGs sieht es wirklich problematisch aus. Das ist zum Beispiel die Müttersterblichkeit, weil häufig die medizinische Versorgung durch Fachpersonal fehlt.

Bei der hochkarätig besetzten UN-Generaldebatte in New York geht es heute auch darum, wie die MDGs schneller umgesetzt werden können. Kann das Steuer jetzt noch umgerissen werden?
Nein, man kann nur noch alles dafür tun, den Zielen möglichst nahe zu kommen. Im Moment sprechen alle schon über einen Zielkatalog nach 2015. Das ist total wichtig. Aber man darf das Hier und Jetzt nicht aus dem Auge verlieren.

Wie geht es nach 2015 weiter?
Entscheidend sind die Fragen nach Verteilungsgerechtigkeit und einem nachhaltigen Wirtschaftswachstum. Der Klimawandel droht, die Erfolge der Armutsbekämpfung aufzufressen. Diese Tatsachen müssen sich in einer neuen Entwicklungsagenda und einem neuen Zielkatalog nach 2015 widerspiegeln.

Fragen: Johanna Treblin

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