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Virtueller Tauchgang schützt Riffe

Wissenschaftler legen eine Datenbank mit Panorama-Unterwasserbildern an

  • Von Barbara Barkhausen, Sydney
  • Lesedauer: 3 Min.
Das Great Barrier Reef in Australien ist gefährdet. Dies gilt auch für andere Korallenriffe. Daher legen Wissenschaftler nun eine Datenbank mit Panorama-Unterwasserbildern an, um den Zustand der Riffe zu überwachen. Die Ansicht der 360-Grad-Bilder lässt einen virtuellen Tauchgang zu.

Ein Korallenriff im eigenen Wohnzimmer: Über Google Maps ist das bereits möglich. 360-Grad-Panorama-Aufnahmen erzeugen auf dieser Internetseite die Illusion, virtuell zum Beispiel durch das berühmte Great Barrier Reef Australiens zu tauchen. Was bisher jedoch mehr Spaß war, bekommt nun einen ernsten wissenschaftlichen Hintergrund. Mit Hilfe einer neuen Datenbank und Tausender neuer Bilder wollen die Wissenschaftler, die schon das Google-Projekt ins Leben gerufen haben, die Veränderungen in den Meeren dokumentieren. Ein wichtiger neuer Impulsgeber für die Wissenschaft, die diese Woche in Stockholm über den Welt-Klimareport verhandelt.

Hinter dem virtuellen Tauchgang auf Google und der neuen Bilddatenbank steht die Catlin Seaview Survey (CSS), eine Gruppe internationaler Wissenschaftler. Seit Ende 2012 war eine Auswahl ihrer Aufnahmen bereits bei Google zu sehen. Doch diese Woche haben sie eine weitere Bilddatenbank veröffentlicht, in der rund 180 000 Unterwasser-Panorama-Aufnahmen zu sehen sind. Weitere 200 000 sollen bis Ende 2014 dazukommen. Diese Aufnahmen im so genannten Catlin Global Reef Record entstehen während Expeditionen der CSS. Taucher machen mit einer speziell entwickelten Unterwasserkamera alle drei Sekunden hoch auflösende 360-Grad-Panorama-Aufnahmen. Jedes einzelne Bild in der Datenbank wird geocodiert und über eine Software auf den Zustand der Korallen und anderer Meereslebewesen untersucht.

Die Datenbank soll nicht nur die Schönheit der Unterwasserwelt zugänglich machen. Sie soll vor allem die Entwicklung und den Verfall der Korallenriffe dokumentieren und dadurch den Kampf um ihr Überleben unterstützen. »Der Catlin Global Reef Record macht Veränderungen in den Meeren zum ersten Mal in der Geschichte für uns alle klar sichtbar«, sagt Ove Hoegh-Guldberg, der Professor für Meeresbiologie an der Universität von Queensland ist und die Catlin Seaview Survey leitet. Deswegen sind auch Daten zur aktuellen Bleiche der Korallen, zu Wassertemperatur und anderen Stressfaktoren für die Riffe abrufbar.

Rund 50 Prozent der Korallenriffe sind in den vergangenen 30 Jahren abgestorben. Eines der betroffenen ist das Great Barrier Reef in Australien, die einzige lebende Struktur, die aus dem Weltraum sichtbar ist. Das 2000 Kilometer lange Riff besteht aus rund 3000 individuellen Riffen mit 1500 Fischarten und 400 Korallentypen. Doch wie die meisten anderen Korallenriffe ist auch das Great Barrier Reef ein volatiles Ökosystem. Laut einer Studie von 2012 hat es in den letzten 27 Jahren die Hälfte seiner Korallen verloren. Schuld sind lokale Faktoren wie Stürme, Abwässer, Krankheiten, der Ausbau von Hafenanlagen, Öllecks von vorbeifahrenden Schiffen und der Dornenkronen-Seestern, der alles zerfrisst, was ihm in den Weg kommt. Aber auch Zeichen des Klimawandels belasten das Riff: So wird das Wasser immer wärmer und saurer - ein Umstand, der die Korallen deutlich langsamer als zuvor wachsen lässt und die Regenerierung nach einem Sturm oder einer Korallenbleiche verlangsamt.

Aktuell sterben jedes Jahr rund ein bis zwei Prozent der weltweiten Korallenriffe ab. Nach Aussagen der CSS hatten Wissenschaftler deswegen schon seit langem eine umfassende Datenbank gebraucht, um ihren Zustand zu überwachen. Veränderungen in den Riffen zu verstehen, ist laut Hoegh-Guldberg wichtig, da fast 25 Prozent der Lebewesen im Meer in und um die Riffe leben und etwa ein Achtel der Weltbevölkerung von den Ressourcen des Meeres in diesen Regionen abhängig ist.

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